DesignPower Issue

Träume von einer flexiblen Zukunft

Carina Iten

Die letzten Monate haben viel bewegt – um uns, in uns und mit uns. Erfahrungsgemäss dauert es immer einige Zeit, bis sich die innere Veränderung auch im Äusseren zeigt.

Ist unsere Art zu leben nicht längst überholt? Das fragte ich mich an einem heissen Sommertag im August 2020, als ich mit meinem Laptop an der Limmat sass und einen Text über unsere Wohnkultur für die Arbeit verfasste und nebenbei Mails per Handy beantwortete. Vor einem halben Jahr wäre ein solcher Arbeitsalltag undenkbar gewesen. Während sich meine Alltagsstrukturen ändern, kommt in mir auch immer mehr der Wunsch nach einem flexibleren Wohnen auf. Ich liebe das Leben in der Stadt, doch ab und zu reizt mich der Gedanke an ein Leben mitten in der Natur. Aufwachen und auf Landstrassen joggen gehen, ohne zuerst zwei Kilometer auf dem Asphalt und befahrenen Strassen zurücklegen zu müssen. Letztens habe ich mich dabei ertappt, wie ich im Internet nach einer Wohnung in der Agglo mitten im Grünen suchte. Ich habe den Gedanken schnell verworfen, ich würde die spontanen abendlichen Treffen mit Freund*innen in der Bar bei uns im Kreis 3 vermissen, die Nähe zu kulturellen und kulinarischen Möglichkeiten.

Und doch frage ich mich: Wieso kann ich zwei Tage die Woche in der Badi arbeiten aber nicht für einen Monat ins Grüne ziehen? Bin ich einfach übermütig oder halten wir an alten Paradigmen fest, die längst der Vergangenheit angehören sollten?

Unser Wohnen geht bereits in eine neue Richtung. Nachhaltigkeit und Minimalismus sind dabei keine Trendwörter mehr. Marie Kondo löste uns bereits vor zwei Jahren von unliebsamen Mitbewohnern, von unüberschaubaren Rumpelkammern und vollgestopften Kleiderschränken. Doch Corona setzte sein Siegel drauf. Wer sich in den eigenen vier Wänden während des Lockdowns nicht wohlfühlte, triste Wände anstarrte oder vergebens den Charme im Quartier suchte ­– wird die Liebe für das eigene Daheim wohl auch nach Corona nicht finden.

Wird sich unsere Unabhängigkeit, unser Macher-Geist, unser Wunsch nach Freiheit und Gleichberechtigung auch in unserer Art zu leben widerspiegeln? Werden wir schlichte aber flexible Wohnformen mehr zu schätzen wissen, weil sie uns mehr Raum für Entfaltung bieten? Werden wir beim Wohnen auch bald Flexibilität starren Strukturen vorziehen. Die Zeit im Homeoffice hat uns gezeigt, ob wir nun vom Schreibtisch im Büro oder von einer abgelegenen Alphütte arbeiten – auf einmal ist alles möglich. Wieso dann nicht auch heute die Nacht durchfeiern in der Stadt und morgen einschlafen mitten in der Natur – und das im eigenen Bett?

Genauso wie ich morgens immer wieder neu entscheide, was ich anziehe, wo und wann ich arbeite, will ich auch frei entscheiden können, wo ich wohne. Wie lassen sich diese gegensätzlichen Bedürfnisse unserer Generation in unsere Wohnkultur übertragen?

Modulare Cabin-Häuser – ein Konzept für die Zukunft

Eine mögliche Antwort auf diese Fragen bieten neue Wohnkonzepte in Form von modularen Cabin-Häusern. Denn diese sind wie unser Lifestyle – individuell, im Wesentlichen kompromisslos und widerstandsfähig. Nicht nur lassen sie sich nach eigenen Bedürfnissen und Wünschen anpassen, sondern auch unkompliziert an einen anderen Ort versetzen. Natürlich ist das alles erst Wunschdenken, aber das Konzept für die Zukunft steht. Ein Anbieter ist etwa das skandinavische Familienunternehmen “Add A Room”. Die verschieden grossen Module ONE+ können beliebig zusammengesetzt werden und lassen Innen- und Aussenräume miteinander verschmelzen. Eine Outdoor-Dusche lässt sich genauso einfach installieren, wie die Wunschküche unter freiem Himmel. Das Design zeigt sich gewohnt skandinavisch minimalistisch mit viel Holz, klaren Linien und grosszügigen Fensterfronten.

Das hört sich für dich vielleicht nach dem idealen Ferienhaus an – für mich nach dem perfekten Wohnkonzept der Zukunft: Den Sommer über leben mitten in der Stadt, bevor es für den Winter in die Berge geht. Leben, wo man will und wie lange man will und das eigene Haus kommt immer mit.

Outdoor-Dusche gefällig?

Photocredits: Add A Room