CultureLockdown IssueMusic

Q wie Quarantine Queen(s)

Rahel Fenini

Für F, S und C – meine Quarantine-#heroines <3

Der Lockdown hat Liebe hervorgebracht. In Freundschaften, aber auch in der wohl wichtigsten Beziehung ever – in der zu mir selbst. Drei #heroines haben mich dabei musikalisch begleitet: ELIF, badmó
mzjay und wie sollte es anders sein: the queen of queens Shirin David.

Wir schreiben Woche 9 in Quarantäne. Während ich sonst fast täglich von Zürich nach St.Gallen zur Arbeit pendle, meine Abende oft in Restaurants und Bars verbringe, ab und an den Gang ins Fitness bestreite und am Wochenende ausgiebig Zeit mit Freund*innen, Familie und Baby C verbringe, sieht jetzt alles plötzlich ganz anders aus. Der Lockdown kam zwar nicht überraschend, aber mit ziemlicher Wucht – und katapultierte mich – zumindest im ersten Moment – aus meinen gewohnten Bahnen. Viele der äusseren Reize, die mich sonst in ihren Bann gezogen hatten, verschwanden, meine sozialen Kontakte reduzierten sich auf ein Minimum und ich verbrachte viel Zeit zuhause. Ziemlich ungewohnt, ziemlich herausfordernd.

Doch ging es nicht lange, bis der Lockdown mir (ja, privilegiert!) seine guten Seiten präsentierte – und wir uns langsam, aber sicher zu verstehen begannen. Die Beziehungen zu meinen female Quarantines F, S und C wurden noch stärker, noch intensiver. Da sind diese stundenlangen Gespräche auf dem Sofa bei Wein, Prosecco und Co., die spontanen Meet-ups im nahegelegenen Park, das unverblümte Rauslassen aller Emotionen – “the good, the bad and the ugly” – und dieser unermüdliche gegenseitige Support. Der Lockdown schweisste uns noch mehr zusammen und brachte unsere Freundschaften aufs nächste Level.

Diese Momente in Zwei- oder ‘Dreisamkeit’ führten mir vor Augen, wie wichtig innige, ehrliche Beziehungen zu anderen sind – und forderten mich zudem heraus, meine tiefste Beziehung – die zu mir selbt – genauer zu betrachten, zu hinterfragen, aber vor allem wertzuschätzen.

In etwas mehr als zwei Wochen werde ich 30. D r e i s s i g. Verrückt.
Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, als ich mit meiner Schulfreundin N lange Perücken aus Garn bastelte, da unsere frechen Pagenschnitte nicht dem Trend entsprachen. Als wäre es gestern gewesen, als ich meinen “Sweet 16” mit meinen ersten French Nails und blondem Schopf im Zürcher Indochine feierte; als ich mit Tränen in den Augen das Flugzeug zu meinem Sprachaufenthalt ‘bordete’, als ich die Zusage für meinen ersten, richtigen Job erhielt. Obwohl die Erinnerungen noch frisch sind, hat sich unglaublich viel getan. Ich bin gewachsen – körperlich und geistig, habe Veränderungen zugelassen und bewusst angestossen, hab’ mich verliebt, entliebt und wieder verliebt, bin umgezogen und hab’ mir meine eigenen vier Wände mit meinem eigenen Geld eingerichtet, bin beruflich dort angekommen, wo ich im Moment sein möchte.

Doch trotz dieser Erfolge – und Selbstbewusstsein in vielen Bereichen – finde ich mich in Momenten wieder, die mich mit Unsicherheit und Selbstzweifel erfüllen. Damit bin ich wohl nicht alleine; kennen wahrscheinlich die meisten von uns solche Situationen und Emotionen – egal ob Bossbabe oder nicht, Lockdown hin oder her. Diese Momente tun weh und fordern heraus. Gelingt es jedoch, sie zu überwinden – oder einfach durchzustehen – geht man wieder einen Tick fiercer durch die Welt. Manchmal sind es aber auch Menschen. Menschen, die einem völlig unbegründet – das weiss ich jetzt – runterziehen und klein machen. Menschen, die nicht gut tun – die eben nicht den warmen, respektvollen und aufrichtigen Beziehungen entsprechen. Menschen, die man besser hinter sich lässt, auch wenn sich die ‘Trennung’ nicht immer einfach gestaltet, hat man sie doch bewusst und freiwillig ins Leben und Herz einziehen lassen.

Der Lockdown hat mir gezeigt, was ich – eigentlich – brauche und was ich – eigentlich – will. Er hat mir vor Augen geführt, was ich an mir mag, wie gerne ich Zeit mit mir selbst verbringe. Er hat mich dazu gebracht, nochmals zu überdenken, wem ich in Zukunft meine Zeit schenken möchte. Eine Mini-Offenbarung sozusagen, gut zwei Wochen vor meinem dreissigsten Geburtstag. Begleitet wurde ich dabei nicht nur von den #heroines F, S und C, sondern von den Tracks der Queens ELIF, badmómzjay und Shirin David. Teilweise im Lockdown releast, hätten diese Songs – und deren fabelhafte Interpretinnen – nicht passender sein können.

ELIF – NUR MIR

Favorite Lines:

Darf den Zugang zu mir nicht verlier’n,
sonst bleiben all deine Worte in mir.

Diese Stadt ist gross genug für uns zwei.
Ich muss sie eh mit vier Million’n anderen teil’n.
Steig’ in dieselbe Bahn, steh’ auf demselben Gleis,
oh alles unsers, alles deins.

Aber ich gehör’, gehör’ nur mir,
gehör’, gehör nur mir.
Nicht ihr, nicht ihm, nicht dir.
ich gehör’ nur mir.

badmómzjay – MOVE

Favorites Lines:

Bist du nicht auf meinem Level, boy, move, move.
Komm’ mit Baddies und den Goons.
Let that ass shake, make your boys move, move.
Bottles poppen wie Balloons.
Ist die Attitude nicht special, boy, move, move.
Kickdown mit der Crew.
Let that ass shake, make your bitch move, move.
Views high wie Balloons.

Move, move, let that ass shake.
Move, move, fuck what you say.
Move, move, keine Fake Friends.
French Nails sind zu lang für ‘nen Handshake.

Shirin David – 90-60-111

Favorite Lines:

Eine Frau mit Ambition, führt ihr Business und kein Gossip – periodt.
Durch Fake-Friends und Money verlier’ ich nicht die Kontrolle.

An den Füssen bloody shoes, ich nenn’ sie Tarantinos.
Mad Bitch, Shego, String von Valentino,
Juicy Money CEO, Female Al Pacino.

Bitch, I’m in the kitchen, cookin’ heat, ich bin der Chefkoch.

Photocredit: 16BARS