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Amsterdam – City of Freedom

Sandra von Euw

Vorwarnung: Dies wird keiner jener Amsterdam-City-Berichte, bei denen Coffee-Shops und Parties im Rotlicht-Viertel im Vordergrund stehen. Mein Amsterdam hat damit nämlich rein gar nichts zu tun. Ich feiere die Vielfalt der Menschen, die Schönheit der Architektur, die Unmenge an kulturellen Angeboten, die Herzlichkeit, den Style und das unglaublich tolle Gefühl, mit dem Fahrrad durch die Parks und Quartiere zu fahren. Mit Wind in den Haaren und Sonne im Gesicht.

Vor genau 10 Jahren hat sie begonnen, meine Liebesgeschichte mit Amsterdam. Juni 2009: Die ersten Semesterferien hatten soeben begonnen, drei lange, wundervolle Monate lagen vor mir, in denen ich absolut nichts tun musste und alles tun konnte. Und das hiess in meinem Fall: Amsterdam! Meine beste Freundin Sarah, die soeben ihr Austauschsemester in Amsterdam begonnen hatte, erwartete mich bereits sehnsüchtig und konnte es nicht erwarten, mir «ihre» Stadt zu zeigen. Und was soll ich euch sagen, ich wurde nicht enttäuscht: Verliebt habe ich mich, unsterblich verliebt! Nicht in einen tollen Niederländer – obschon dies auch sehr gut möglich gewesen wäre, tolle Jungs – nein; in die Stadt, in die Menschen, in die Architektur, die Romantik und das Lebensgefühl! Dieses Gefühl war es auch, das mich über die Jahre bestimmt 10 mal nach Amsterdam zurückkehren liess.

Von allen Städten Europas – zumindest von denen, die ich schon besucht habe – ist Amsterdam definitiv die Einzigartigste. Amsterdam hat eine ganz eigene Persönlichkeit und einen eigenen Stil und hat keine Angst, ihren eigenen Weg zu gehen. Dies zeigt sich bereits früh in ihrer Geschichte. Begonnen als kleines, relativ unbedeutendes Fischerdorf im 13. Jahrhundert, entwickelte sich Amsterdam rasch zu einer der wichtigsten Handelsmetropolen Westeuropas. Von hier aus fuhren Handelsschiffe in die ganze Welt – Nordamerika, Brasilien, Indonesien und Afrika – und brachten neben neuen, unbekannten Gewürzen, Tabak und Textilien auch Menschen aus aller Welt in die Stadt. Dies führte zu einer vielfältigen und liberalen Gesellschaft, die künstlerische Fähigkeiten ebenso schätzt wie wirtschaftliche Fähigkeit und heute über einige der fortschrittlichsten und zukunftsweisendsten Gesetze und Richtlinien der Welt verfügt.

Dieses Gefühl der Offenheit ist mit ein Grund, weshalb ich noch heute mindestens einmal im Jahr nach Amsterdam muss. Über die Jahre haben sich unzählige Lieblingsbars, -cafés, -lädeli und -menschen angehäuft und die wollen schliesslich besucht werden. Gerne und mit viel Freude teile ich hier einige auserwählte Tipps mit euch – in dem Sinne:

“Welcome to my Amsterdam!”

FOOD & DRINKS

Holländisches Essen ist eher einfach, deftig und häufig frittiert, wie die Frikandel (Hacktätschli), Kroket (panierte und fritierte Krokette mit Fleisch oder Gemüsefüllung) oder natürlich die weltberühmten Fritties (Pommes Frites). Wer sich dafür begeistern kann – und das sollte man unbedingt – der ist hier goldrichtig.

Winkel 43

Vleminckx de Sausmeester Wenn ihr, wie ich, zu den Pommesliebhaber_innen gehört, dann werdet ihr bei Vleminckx de Sausmeester genau das finden, was ihr euch sehnlichst erhofft: die perfekten Fritties! Lasst euch nicht von der bescheidenen Grösse dieses Ständlis und der zumeist langen Schlange abschrecken: Dieser Laden erhält seit den 1950er Jahren begeisterte Kritiken für seine Pommes und ist die Wartezeit definitiv wert. Sidenote: Wir gehen immer zu zweit. Während meine Kollegin ansteht, husche ich in den wunderschönen Schmuckladen DIVA gleich nebenan – so lässt es sich gut warten 🙂

Louie Louie Wenn ihr genug vom fettigen Essen habt und euch nach etwas Gesundem in stylischer Atmosphäre sehnt, seid ihr bei Louie Louie genau richtig. Restaurant und Bar in einem, zieht das etwas ausserhalb gelegene Louie Louie vor allem Amsterdamer_innen an. Besonders im Frühling und Sommer, wenn das Wetter (hoffentlich) schön und trocken ist, ist die grosse Terrasse ideal, um in der Sonne zu sitzen. Sehr gezellig! Die Getränke- und Speisekarte sind mexikanisch angehaucht und was soll ich sagen: so lekker! Viele kleine Gerichte, die perfekt zum Teilen sind: Käsepommes, Tacos, Quesadillas und kurze Rinderrippen und perfekte Drinks dazu. Auch Vegetarier_innen und Veganer_innen werden fündig. Achtung: Sie nehmen keine Reservierungen entgegen, also seid vor allem am Wochenende auf eine kurze Wartezeit gefasst.

De Zotte Wer sich eher für Bier als für schirmchendekorierte Margheritas begeistern kann, der geht am besten ins De Zotte. Diese enge, leicht modrige, urchig niederländische Bar hat unglaubliche 130, meist belgische und niederländische, Biersorten an Lager.

Brouwerij ‘t IJ Wer nicht aus den Niederlanden abreisen kann, ohne mindestens eine Windmühle gesehen zu haben, der geht am besten zur Brouwerij ‘t IJ. Diese Brauerei hat sich in einer historischen Mühle einquartiert und serviert köstliches, selbst gebrautes Bier. Perfektes Fotosujet, das jedes Touristenherz erfreut!

De bakkerswinkel Genug von Bier und Fleisch? Dann lasst uns Süsses schlemmen! Ob Frühstück, Mittagessen oder Kaffee und Kuchen am Nachmittag, De Bakkerswinkel ist immer eine gute Idee. Unbedingt die Scones mit Clotted Cream und hausgemachter Lemon Curd probieren!

Stroopwafels Ob frisch und mit opulenten Toppings versehen bei van Wonderen Stroopwafels oder ganz einfach aus dem Supermarkt aka. Albert Heijn – diese süssen Sirupwaffeln sind DIE holländische Spezialität und ein ganz klares MUSS. Eignen sich perfekt als Mitbringsel für die Lieben zuhause (und für einen selbst natürlich!).

Winkel 43 Kommen wir nun zu meinem absoluten Lieblingsort in Amsterdam. Dieses Café war mit ein Grund, weshalb ich mich vor wenigen Wochen entschlossen habe – trotz fortgeschrittener Schwangerschaft und müden, schweren Beinen – nach Amsterdam zu gehen. Im Winkel 43 servieren sie nämlich den besten Appeltaard (Apfelkuchen) der WELT! “Food Craving» hoch drei! Knuspriger Mürbeteig, saftige Füllung aus süss-saueren Äpfeln, eine leichte Zimtnote, garniert mit süssem Schlagrahm. Und wenn ihr Glück habt, wird er euch noch lauwarm direkt aus dem Ofen serviert: O M G ! Das Café liegt dann auch noch im wunderschönen Jordaan-Quartier, idyllisch an der Prinsengracht.

SHOPPING

Wie in den meisten Städten gibt es auch in Amsterdam DIE Einkaufsstrasse – hier ist es der Dam Square. Primark, H&M, Zara, & other Stories und wie sie alle heissen, reihen sich auch hier aneinander. Lagen diese Adressen in meinen Teeniejahren noch hoch im Kurs, mussten sie in den letzten Jahren den unzähligen kleinen Läden im wunderschönen Jordaan-Quartier weichen. Ganz besonders hoch ist deren Vorkommen in den sogenannten 9 Straatjes. Das sind neun schmale, malerische Strässchen, vollgepackt mit individuellen Läden und Cafés. Beim Flanieren durch die Gassen kann man nach Herzenslust in den kleinen, authentischen Läden shoppen und mit etwas Glück das neue Lieblingskleid ergattern.

Laura Dols

Lunchroom Lef Nettes, kleines Café, perfekt für eine Stärkung vor dem Shopping-Marathon. Snacks wie Sandwiches, Omelett und frischgepresste Säfte. Die Aussicht vom oberen Stockwerk ist klasse.

We are Labels Schöne Boutique mit Mode für Mann und Frau, Preisrange zwischen 50€ und 100€.

Zipper Legendärer Second-Hand-Shop. Für mich und für viele Locals genauso der beste in ganz Amsterdam. Hier findet man witzige Shirts und alle Arten von Klamotten und Accessoires zu fairen Preisen.

Hud Stylischer Klamottenladen für Männer, vor allem Basics und Streetwear.

Café de Pels Empfehlenswertes Café/Pub im traditionellen Amsterdamer Stil.

Vanilia Schlichte Mode und Basics. 3 Labels aus eigener Produktion. Modern Business, Sport Couture und Klamotten zum feiern.

Laura Dols Glamouröser Second-Hand-Shop. Die richtige Adresse für ein schönes Vintage-Kleid in Top-Zustand.

Noordermarkt Und natürlich darf bei den Shoppingtipps ein (Floh-)markt nicht fehlen. Von allen Märkten, die es in Amsterdam gibt, ist der Noordermarkt mein Liebster. Er ist der Markt des Jordaan-Viertels, das merkt man an den vielen stylischen Locals, die sich hier vor allem mit Lebensmittel eindecken. Der Noordermarkt ist eine Mischung aus Floh-, Antiquitäten, ökologischem und biologischem Markt. Immer am Montag und am Samstag.

CULTURE

Amsterdam ist voll mit wunderbaren Museen, Galerien, historischen Winkeln und einfach schönen Plätzen. Die Liste meiner Favoriten ist dementsprechend lang und bei jedem Besuch kommt was Neues hinzu. Was aber seit Beginn an, und auch nach jedem Besuch erneut, auf Platz 1 liegt, ist das Tropenmuseum. Entgegen seinem Namen handelt es sich bei diesem eindrücklichen Bau nicht etwa um ein Gewächshaus mit tropischen Pflanzen und dergleichen, sondern um ein Völkerkundemuseum der Extraklasse. Das Ziel des Tropenmuseums ist es, das Bewusstsein für andere Kulturen zu erweitern und die Kommunikation mit diesen Kulturen zu fördern. Mit der Eröffnung der Dauerausstellung Things That Matter 2018 hat das Tropenmuseum seine geografische Ausrichtung aufgegeben und seinen Fokus auf universelle Themen verlagert, die Menschen weltweit verbinden. Dabei spielen aktuelle gesellschaftliche Themen wie Migration und Identität eine herausragende Rolle.

Tropenmuseum

Und für all diejenigen, die sich weder aus Essen noch Shopping noch Kultur etwas machen:
Fahrrad mieten, durch die Grachten kurven und das Leben geniessen!

“We zien je snel weer, mijn geliefde Amsterdam!”