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The Future is Violet – and Female

Stella Castelli

Dystopien, übermannende Technologien und menschliche Abgründe sind Themen, welche Charlie Brooker’s Netflix Serie Black Mirror prägen. Seit Kurzem ist auch die vierte Staffel auf Netflix zu sehen. Was auffällt: Die Hauptrollen in den insgesamt sechs Episoden werden ausschliesslich von Frauen besetzt. Girl Power ist an der Tagesordnung. Doch nicht nur die Girls haben in der aktuellsten Staffel von Black Mirror ihren grossen Auftritt, sondern auch die Farbe Violet.

Gezeichnet sind alle Folgen bis auf die ausschliesslich in schwarz-weiss gehaltene fünfte Folge „Metalhead“ von der Farbe Violet: Einem Violet, das als Symbolträger des innovativen, zukunftsorientierten Experimentierens gelesen werden kann. Aber auch einem Violet, das eine nostalgische Note trägt, waren es doch insbesondere die 80er Jahre, welche die Farbe Violett als Versinnbildlichung der Counterculture zelebrierten.

Nostalgie blickt zurück, färbt das Vergangene positiv, und impliziert ein sentimentales Verlangen, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen. So verbindet die Farbe Violet ähnlich dem Nostalgiebegriff in der vierten Staffel von Black Mirror Vergangenes mit Zukünftigem.

 

Subtil trägt das Raumschiff „USS Callister“ in der gleichnamigen ersten Folge violete Wände. Während die „USS Callister“ das Star Trek der späten 60er Jahre referenziert, ist die Fantasiewelt, in die sich Robert Daly flüchten kann eine technologisch versierte, zukünftige. Auch das Smoothie, welches als Anker in der ansonsten turbulenten Mutter-Tochter Beziehung in „Arkangel“ fungiert, ist im violeten Farbton gehalten. Wiederum widerspiegelt Violet beides: den nostalgischen Blick zurück sowie die Unaufhaltsamkeit einer vehement fortschreitenden Zeit. In „Crocodile“, der dritten Folge, sowie in „Black Museum“, der sechsten und letzten Folge, ist der technologische Fortschritt violet markiert. Computerprogramme und Interfaces sind lila gestaltet und erinnern subtil daran, dass Black Mirror eine panoptisch-technologisch geprägte Zukunft reflektiert. In einer Zukunft, die nicht allzu weit und auch nicht allzu unwahrscheinlich gezeichnet wird, sieht vor allem die Technologie. Sie ist potent, und birgt die Gefahr des unbegrenzten Sehens in sich.

 

Doch der Blick in die Zukunft ist nicht nur von diesem vielbedeutenden Violet gerahmt, sondern auch von Femininität. Eine Femininität, in der die Frau nicht als Objekt, sondern als vielfältiges, starkes Subjekt fungiert. Diese Vielfältigkeit kommt nicht nur in den verschiedenen Themen der Folgen zum Tragen, sondern auch darin, dass das „Subjekt Frau“ nicht eintönig daherkommt, sondern viele Gesichter beherbergt. In dieser Vielfältigkeit spiegelt sich eine Abwendung von Klischees.

 

In den Interpretationen des „Subjekt Frau“ zeigt sich Black Mirror also nicht eintönig, sondern bunt. So ist es nicht die Weiblichkeit, die in Black Mirror als statischer Ankerpunkt gesetzt wird, sondern der potente, violet gefärbte Blick einer zukünftigen Technologie. Mit diesem vermögen die starken Protagonistinnen bewusst zu spielen, können ihn gar herausfordern und in Frage stellen.  So mag die Zukunft in Black Mirror wohl violet sein, doch ist sie definitiv auch weiblich.

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