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Dancing Warriors

Cécile Moser

Mit Stücken wie “POPorno” betreibt die Schweizer Tanzgruppe TeKi TeKua künstlerische Gesellschaftskritik. Der weibliche Körper und seine Darstellung sind dabei zentrale Punkte. Warum es wichtig ist, den eigenen Körper als Teamplayer zu betrachten und was für die Tänzerinnen ein gutes Körpergefühl bedeutet, darüber sprachen wir mit ihnen im Interview.

TeKi TeKua – wer seid ihr genau, was ist eure Message?

Die Tanzgruppe TeKi TeKua wurde 2006 von Pascale Grossenbacher, Lea Fuhrer und Eleonora Zweifel in Biel gegründet.

Die Companie entstand aus dem gemeinsamen Bedürfnis heraus, (s)einen authentischen Platz in der Tanzwelt zu finden. Dies widerspiegelt sich in unserem Namen, der sich aus den Fragen “Wer bist du?“ und “Was bist du?” zusammensetzt.

Fragen, die wir uns gegenseitig stellten, aber auch Fragen, die uns mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Leben lang begleiten werden. Wer bin ich? Was bin ich in dieser (Tanz)Welt? Was bringe ich mit, wo will ich hin, was macht mich aus?

Im übertragenen Sinn haben wir versucht, uns diese Fragen auch in tänzerischer Hinsicht zu stellen, um daraus eine eigene, authentische Bewegungssprache zu entwickeln. Somit setzt sich der Stil von TeKi TeKua immer aus den einzelnen Individuen und ihren Geschichten, Interessen sowie ihrem tänzerischen Hintergrund zusammen und entwickelt sich mit der Zusammensetzung des Teams stetig anders weiter.

 

Beim Tanz steht der Körper im Zentrum – alle Blicke sind auf ihn, seine Form und seine Bewegungen gerichtet. Wie geht ihr damit um?

Da die meisten Tänzerinnen bereits als Kind mit dem Training beginnen, ist der verstärkte Fokus auf den Körper in der Tanzwelt nichts Neues – wir wachsen sozusagen damit auf. Was sich jedoch in den Jahren verändert hat, ist das Ausmass sowie der Umgang mit den sozialen Medien. Es wird verglichen und kommentiert – mehrheitlich positiv, aber leider nicht nur. Als wir im Schweizer Fernsehen sowie bei Pro7 aufgetreten sind, konnten die Zuschauer_innen Kommentare hinterlassen. Da wurden dann Dinge wie Körper, Gewicht, Frisur und Styling kommentiert, nicht aber die tänzerischen Fähigkeiten. Das ist nicht immer einfach. Man muss jedoch lernen, diese Kommentare auszublenden und über ihnen zu stehen – die ist ein stetiger Prozess.

 

Gibt es weitere Erfahrungen, die ihr als Tänzerinnen in Bezug auf Körper gemacht habt? Mit Tanzlehrer_innen, an Auditions?

Wir alle haben unsere Erfahrungen an Auditions gemacht; zu gross, zu klein, zu blond, oder „einfach nicht ins Schema passen“. Diese Erfahrungen gehören zum Job und sind Teil der Realität in unserem Beruf.

Um Tanz als Hobby auszuüben, aus Spass zu tanzen oder als Kind den Körper durch Tanz zu entdecken, bedingt nicht einen perfekten Körper. In unserer pädagogischen Arbeit stellen wir uns immer wieder die Frage, warum jemand tanzt und was tanzen – nebst den körperlichen Aspekten – auch auf der zwischenmenschlichen Ebene bewirken kann.

Unsere Aufgabe besteht jedoch auch darin, Talente zu erkennen, zu fördern und gleichzeitig die harte Realität in Bezug auf das Aussehen und Körper in unserem Beruf nicht aus dem Blick zu verlieren. Schlussendlich ist es das Ensemble von Körperproportionen, Energie, Dynamik der Bewegungen, Persönlichkeit und Ausstrahlung, das eine gute Tänzerin für uns ausmacht.

 

Was bedeutet für euch ein gutes Körpergefühl?

Tanz ist Ausdruck, Tanz ist Arbeit mit und durch den Körper. Unser Körper ist unser wichtigster Teamplayer. Beim Training, bei den Proben sowie bei diversen Projekten setzen wir uns auf unterschiedlichen Ebenen mit unseren Körpern auseinander. So schaffen wir Bewusstsein für Bewegung und fragen uns dabei, welche Bewegung, was aussagt und was für ein Körpergefühl wir dabei haben.

Tanz als Beruf zu haben, ist etwas ganzheitliches, ein Lebensstil und eine innere Haltung. Deshalb ist es sehr wichtig für uns, dass wir einen gesunden und starken Körper haben. Die Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle: Wir ernähren uns alle meistens sehr gesund. Dass Tänzerinnen kaum etwas essen, ist ein Klischee.

Bei der professionellen Companie absolvieren alle nebst dem täglichen Training mehrmals in der Woche ein Krafttraining. Abhängig von individuellen Bedürfnissen kommen weitere Aktivitäten wie Yoga, Pilates, aber auch regelmässige Akkupunktur- oder Massage-Besuche dazu. Stärke bedeutet jedoch nicht nur Muskeln, sondern eine gewisse mentale Stärke, die durch Disziplin, Erfahrung und dem Umgang mit körperlichen Grenzen und Verletzungen entsteht.

Dieses Bewusstsein für den eigenen Körper wollen wir auch an unsere Juniors weitergeben. Sie sind quasi die nächsten Profi-TeKis und sollen ein professionelles Bewusstsein im Umgang mit der Körperarbeit entwickeln können.

 

Wie seht ihr als Künstlerinnen die Darstellung des weiblichen Körpers im öffentlichen Raum?

Die Frage nach der Darstellung des weiblichen Körpers im öffentlichen Raum ist eine komplexe, vielschichtige und für unsere Arbeit sehr zentrale Frage. Aufgrund ihrer Komplexität gibt es auch unterschiedliche Arten, diese Frage anzugehen und somit zu beantworten. Was meinen wir, wenn wir von der Darstellung des weiblichen Körpers im öffentlichen Raum, in der Öffentlichkeit sprechen? Geht es dabei um die Darstellung des weiblichen Körpers in der kommerziellen Welt der Werbung und der Medien, auf Instagram oder in der Kunstszene? Oder meinen wir damit schlichtweg, wie sich Frauen darstellen, wenn sie in die Badi, den Ausgang oder ins Restaurant gehen?

Unserer Meinung nach haben sich in den letzten Jahren vor allem zwei – teilweise extreme – Bewegungen, oder Phänomene, heraus kristallisiert, sowie mehr oder weniger in der Öffentlichkeit etabliert, die den weiblichen Körper entsprechend unterschiedlich darstellen.

So haben wir einerseits eine neue Art der feministischen Bewegung. Zu dieser zählen wir öffentliche Personen wie Lena Dunham, bekannt aus der Serie „Girls“, die – vor allem äusserlich – so gar nicht dem Klischee einer ‚perfekten’, amerikanischen TV-Schauspielerin entspricht, dies oft thematisiert und sich auf unterschiedlichen Ebenen für Gleichberechtigung einsetzt. Diese Art des neuen Feminismus führt in der Öffentlichkeit nicht selten zu Missverständnissen und Diskussionen. Es scheint so, als sei der Öffentlichkeit noch nicht ganz klar, ob das Wort „Feminismus“ einfach nur benutzt wird, weil es momentan gerade trendy ist, oder, ob effektiv etwas hinter dieser Bewegung steckt.

Andererseits beobachten wir eine Bewegung, die vor allem in der Popkultur auftaucht. In dieser Bewegung geht es in erster Linie um den weiblichen Körper und dessen Verschönerung – inkl. Styling, Beauty Rituale und dazugehörige YouTube Tutorials. Zu dieser Bewegung gehören Frauen, die Kim Kardashian und deren gesamten Clan zu ihren Vorbildern zählen und teilweise so stark geschminkt sind, dass sie wie eine Mischung aus Puppe und Drag Queen aussehen.

Zu diesem sogenannten „Kim K. Movement“ kommt zudem eine Hypersexualisierung und übertriebene Darstellung des weiblichen Körpers à la Nicki Minaj hinzu. Da ist es nur noch ein kleiner Schritt vom Pop zum Porno. Aus diesem Grund haben wir vor drei Jahren das Stück „POPorno“ kreiert. Im Stück setzen wir uns auf kritische und zugleich humorvolle Weise mit den Parallelen von Pop und Pornographie auseinander und treiben zur Schau getragene Genderrollen auf die Spitzen. An den diesjährigen Porny Days, dem Film Kunst Festival Zürichs, konnten wir eine Neuinterpretation davon zeigen.

 

Weitere Infos zur Tanzgruppe sowie Daten von zukünftigen Workshops und Auftritten findet ihr unter:

https://www.bonjour-tekitekua.ch/

info@fempop.ch