MUSIK

„Wir sind alles Macherinnen“

Cécile Moser

Der Verein „Les Belles de Nuit“ aus Zürich setzt sich für mehr Vielfalt in der elektronischen Musik-Szene ein. Vom 26. bis 29. Oktober findet zum 5. Mal ihr gleichnamiges Festival in der Photobastei statt. Was einen dort erwartet, und wofür sich der Verein sonst noch stark macht, darüber sprachen wir mit Mitgründerin Eva.

 

Wie ist euer Verein "Les Belles de Nuit" entstanden?

Eigentlich wollten Nathalie Brunner (Playlove) und ich ein Wochenende nach Istanbul, um unsere Freunde zu besuchen. Einige Freundinnen wollten sich uns gleich anschliessen. Da unsere türkischen Freunde dort einen Club besitzen, wollten sie natürlich, dass wir dort spielen oder uns um die Visuals kümmern. Aus all den herumschwirrenden Ideen verfassten wir ein Konzept für ein kleines Festival und führten dies zum ersten Mal 2013 in Istanbul durch. So entstand der Verein "Les Belles de Nuit“ und wuchs all die Jahre an Ideen, Personen und Aktionen. Wir sind alles Macherinnen.

 

Was sind eure Hauptanliegen?

Wir setzen uns seit 2013 für die Förderung und Vernetzung von Frauen und anderen Minderheiten in der elektronischen Musik- und Kulturszene ein. Wir haben zum Ziel, Frauen und andere unterrepräsentierte Gruppierungen in der elektronischen Musik- und Kulturszene zu fördern und zu vernetzen, ihre Gleichstellung und Wertschätzung innerhalb der elektronischen Kunst und Clubkultur aktiv voranzutreiben und ihre Wahrnehmung, Mitbestimmung und wirtschaftliche Teilhabe zu stärken. Wir bieten eine Plattform des Ideenaustausches, vermittelnde Aktivitäten und vor allem auch Auftrittsmöglichkeiten für Künstler_innen, welche für die Identitätsentwicklung einer Artistbiografie essentiell sind. Wir sind selbstbewusste und aktive Frauen aus der Musik- und Kulturszene, die Spass haben andere Künstlerinnen zu vernetzen und mit ihnen vielförmige Events zu organisieren. Wir sind zu allen Formen der Mitarbeit und des Austauschs offen, auch mit anderen nicht genderspezifischen Kollektivs oder Vereinen. Unser Vorgehen ist inklusiv und partizipativ.

 

Weshalb braucht es euch?

Die ganze Szene ist ziemlich männerdominiert. Nur 10% der gebuchten Acts an Electrofestivals und in Clubs sind Frauen. Auch im Management der jeweiligen Einrichtungen arbeiten oft Männer in wichtigen Positionen. Frauen arbeiten eher an der Bar oder an der Garderobe. An weiblichen Künstlerinnen mangelt es aber nicht.

 

Was erwartet einen an eurem Festival Ende Okt.?

Wir laden alle herzlich zum Festival mit dem Titel „La Danse des Belles de Nuit“ ein. Diesmal bieten wir drei verschiedene Workshops an: Einen Voguinworkshop, einen Musikworkshop zum Thema "Remixing mit Ableton-live“ und ein Workshop zwischen Tanz und Performance, der sich mit den Mechanismen des Rollenspiels über die Ravekultur und -gesellschaft auseinandersetzt. Am Freitagabend wird unter dem Namen „La Bouffe des Belles de Nuit“ ein Dinneranlass stattfinden, der Musik, Performances und Gaumenfreude auf eine besondere Art und Weise versucht zu verbinden. Gekocht wird von Margaretha Jüngling. Am Samstag gibt es eine 12-stündige Party mit einem eklektischem Musikprogramm von Liveacts, DJs, Visuals und Tanzperformances. Nicht entgehen lassen sollte man sich den Gender Bending Runway kurz nach Mitternacht.

 

Was wünscht ihr euch für die Zukunft der Elektro-Szene in der Schweiz?

Wir wünschen uns eine bessere Vernetzung weiblicher oder queerer Artists. Und somit eine damit verbundene grössere Wahrnehmung. Es geht nicht darum, die Geschlechter zu trennen und die Szenen voneinander abzugrenzen. Im Gegenteil. Wir wünschen uns eine grössere Diversität in der Clubkultur und in der elektronischen Musikkulturszene.

 

www.lesbellesdenuit.ch

info@fempop.ch