MUSIK

Sound Clash

Serena Schindler

Den Begriff "orientalische Musik" assoziieren wir oft mit Bauchtanzshows, Shisha-Bars oder alten Meditations-CDs mit kitschigem Album-Cover. Kaum in den Charts zu finden oder im Radio zu hören, ist uns diese Musik irgendwie fremd, obwohl wir wahrscheinlich alle orientalische Harmonien, Melodien und Rhythmen in unseren Vorstellungen präsent haben. Doch warum ist sie uns fremd? Beschränkt sich Musik aus arabischen Kulturen nur auf unsere Assoziiationen oder ist "orientalische Musik" nicht auch Popkultur tauglich?

 

Warum wir Musik aus dem Orient als fremd wahrnehmen und auf gewisse Art nicht wirklich verstehen, liegt daran, dass sich das arabische Tonsystem von dem Westlichen unterscheidet. Im westlichen Tonsystem hat eine Oktave 12  Halbtonschritte. Dies kann man sich folgendermassen vorstellen: Auf dem Klavier hat eine Oktave 7 weisse und 5 schwarze Tasten. Von einer Taste zur anderen liegt ein Halbtonschritt. Die arabische Tonleiter kann jedoch 17, 19 oder 24 Tonschritte haben. Somit hat sie nicht nur Halbtonschritte sondern Vierteltonschritte und genau diese  kommen in westlicher Musik nicht vor. Für ein klassisches Piano würde dies bedeuten, dass es viel grösser und viel mehr Tasten haben müsste. Deswegen werden die Melodien der orientalischen Musik oft durch Streichinstrumente gespielt oder mit der Stimme gesungen, da diese die Vierteltonschritte wiedergeben können.

 

Wie bereits erwähnt sind Einflüsse arabischer Musik in der Popmusik nicht oft vorhanden, leider, finden wir. Trotzdem gibt es einige Musiker_innen, welche die Musik ihrer Kultur dem Westen näher bringen, indem sie Elemente orientalischer Musik mit Elementen westlicher Musik verbinden. Sie beweisen eindeutig, dass orientalische Musik ihren Platz in der Popkultur haben sollte und  nicht nur als Hintergrundmusik in Shisha-Bars gehört. Fünf Musikerinnen haben unsere Ohren schon lange erobert und diese stellen wir euch nun gerne vor.

 

A-WA

Tair, Liron & Tagel Haim sind drei Schwestern aus dem Süden Israels. In einer musikinteressierten Familie aufgewachsen, sind sie bereits früh mit unterschiedlichsten Musikstilen in Kontakt gekommen, haben alleine und als Trio Musik gemacht und diese schlussendlich auch noch studiert.

 

Gekonnt vermischen A-WA traditionelle jemenitische Musik mit EDM (Electronic Dance Music) und bringen dabei Menschen aus westlichen und östlichen Kulturen zum Tanzen. Sie möchten kulturelle Barrieren sprengen und machen es uns vor, sei es mit ihrer Musik, ihrem Kleidungsstil oder der Grafik ihrer Plakate.

M.I.A.

"Most of the things I do, they banned it. But I'mma still do it, I'm a bandit."

Genau wegen Lyrics wie diesen aus dem Song "Visa" lieben wir M.I.A.! Eine Frau, die kein Blatt vor dem Mund nimmt und ihre politische Meinung und den von ihr gelebten intersektionalen Feminismus in ihren Songs thematisiert. Heikle Sujets machen ihr keine Angst und somit überschreitet sie immer wieder Grenzen, was dazu führen können, dass beispielsweise MTV ihr Musikvideo "Sunshowers" aufgrund einer Anspielung auf eine palästinensische Befreiungsorganisation nicht zeigen wollte oder Youtube das Video zu "Born Free" wegen brutalen Szenen vorerst gesperrt hatte.

Wir finden es grossartig wie sie den Mut hat, auf die Realität, so wie sie nun manchmal ist - brutal und unschön - aufmerksam zu machen.

Weiter so liebe M.I.A. !!!

Sevdaliza

Die Iranerin Sevda Alizadeh, welche mit vier Jahren mit ihrer Familie nach Holland geflüchtet ist, kreiert Musik, die man als Crossover von Trip-Hop, R'n'B und futuristischen Elektro-Pop beschreiben könnte. An ihrem Gesang ist der musikalische Einfluss ihrer Wurzeln jedoch noch klar zu erkennen.

Wie auch M.I.A. sieht Sevda Alizadeh Kunst als eine Möglichkeit zur Aufklärung und Sensibilisierung von Menschen. In ihrem Song "Bebin", welchen sie auf Farsi singt, thematisiert sie beispielsweise das Problem des Rassismus. Auch gegen stereotypische Gender Rollen kämpft Sevdaliza mit dem Musikvideo zu "Human" an.

info@fempop.ch