KUNST

JUNG, LAUT, QUEER – das ist lila.

Rahel Fenini

Glitzer, Drag Queens, Pop und viel Liebe. All das gab es am zweiten Septemberwochende am lila. – dem ersten Queer Youth Festival der Schweiz. fempop war mit dabei und liess sich von Menschen, Musik und Message verzaubern.

Wittnau. Eine kleine Gemeinde im Kanton Aargau, ein noch kleinerer Punkt auf der Landkarte. Ein Ort, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, ein Ort, wo wohl selten der Bär steppt. Doch genau dieser Spot verwandelte sich am zweiten Septemberwochenende zum glitzerigen Schauplatz des ersten Queer Youth Festivals der Schweiz – dem lila. Die Idee zum Kulturfestival entstand letzten Sommer in der Milchjugend, der grössten Schweizer Jugendorganisation für lesbische, schwule, bi, trans* und asexuelle Jugendliche – und für alle dazwischen und ausserhalb. „Wie jedes Projekt der Milchjugend entstand auch das lila. ziemlich spontan. Irgendwer hatte irgendwann die Idee dazu und alle waren begeistert. Dann sitzt man zusammen, bespricht bei einem Bier weitere Ideen und Details und plötzlich steht das Ding“, erzählt uns Cora, Projektleiterin der Schulgruppen in der Milchjugend und Organisatorin des Festivals, lachend.

Cora

 

Entstanden ist ein dreitägiges Festival mit nationalen und internationalen Acts und Performances aus den Sparten Drag, Musik, Poesie/Literatur und Tanz. Von Milky Diamond, Vicky Goldfinger und Mona Gamie über Asbjørn, Schapka und Crimer zu Meloe Gennai und Lou Meili. Jede/er Künstler_in eine queere Offenbarung!

Während es bereits schon Parties, die Pride, Jugendgruppen und Diskussionsabende im queeren Rahmen gab, fehlte ein Festival wie das lila. nach wie vor, erklärt Cora: „Wir wollten einen mehrtägigen Event veranstalten – ein Wochenende, an dem wir gemeinsam feiern und queere Artists unterstützen, denen wir uns zugehörig fühlen, die uns in ihren Texten repräsentieren und unseren Gefühlen Ausdruck verleihen.“ Doch nicht nur die Artists sollen an diesem Wochenende zelebriert werden, sondern jedes einzelne Individuum der Queer Community: „Wir lassen uns von der Gesellschaft nicht vorschreiben, wie wir zu sein haben. Wie sind alle ‚feiernswert’, genau so wie wir sind. Jede/r Einzelne/r von uns ist ein Triumph.“ So sollte das Festival auch Zeit und Raum schaffen, wo sich junge queere Menschen entfalten und gegenseitig finden können. Dies begeistert unter anderen Alma (18), die mit ihrem Freund David (19) extra aus Biel zum lila. angereist ist: „Ich finde das Festival so toll, weil es eine Art ‚safe space’ bietet, wo du andere coole queere Leute kennenlernen kannst und so deine gewohnte ‚comfort zone’ verlässt.“ Dem stimmen auch Paloma (19), Gabriel (24) und Noemi (21) aus Zürich zu: „Das Festival ist mega familiär und man fühlt sich richtig wohl. Es ist so ‚hippig’ angehaucht – Liebe ist das Statement“.

Alma & David, Paloma, Gabriel & Noemi

 

Als das fempop-Team am Samstagnachmittag selbst über das Gelände schlendert, merken wir schnell, dass die Worte der Jugendlichen wahrer nicht sein könnten. Nach einer herzlichen Begrüssung am Info-Point machen wir schnell neue Bekanntschaften und unterstützen uns gegenseitig beim Pop-Bingo der bezaubernden Drag-Queen Mona Gamie, die uns auf der Bühne mit Songs in  ihrem unverkennbarem Ostschweizer-Dialekt begeistert. Lachende und fröhliche Gesichter um uns herum, viel Liebe im Herz.

Mona Gamie

 

Aber auch das Gelände erscheint als kleines Wunderland, wo es an jeder Ecke Fantastisches zu entdecken gibt. Bunte Fähnchen, Tafeln mit positiven Botschaften und Glitzervorhänge zieren das Feld. An der Bar werden leckere Drinks serviert und Glacés verteilt, an den Food-Ständen liegt ein herrlicher Duft in der Luft. Sitzsäcke laden zum Relaxen ein und ein Zelt bietet Raum, um sich zurückzuziehen und in Ruhe auszutauschen. Ein weiteres Highlight ist der an „Alice im Wunderland“ angelehnte Zauberwald, der mit hängenden Tassen, Leuchtpilzen und Teppichen geschmückt ist. Beim lila. steht nicht nur die Liebe untereinander im Zentrum – nein, die Liebe steckt in jedem Detail.

Und Coras Highlight? „Als ich am Freitagabend nach meiner Schicht am Info-Point mit einem Bier in der Hand in der Menge bei Asbjørn stand und Hunderte Menschen um mich herum feierten, tanzten, sich selbst waren, sich küssten und liebten. Das zu sehen und zu spüren ist immer ein Triumph in der queeren Szene.“

Photocredits: Serena Schindler

info@fempop.ch