KUNST

Art for All

Rahel Fenini

Girls support girls finden wir ja schon toll. Wenn sich Girls auch noch für den Austausch mit anderen Kulturen und deren Kunst einsetzen, finden wir das mega toll. Nicole und Dana zeigen mit ihren Projekten, wie’s geht.

 

KE’CH Collective

Nicole Billi, gebürtige Zürcherin, führt mit ihrem Freund Mohamed Boussadi das schmucke Riad BE Marrakech inmitten der historischen Medina, umgeben von Kultur und Tradition (mehr in unserer Travel Rubrik). Als sie eines Abends mit Freunden bei einer Tajin zusammen sitzt, kommen sie auf die Marrakech Kunst Biennale zu sprechen, welche im Februar 2016 zum sechsten Mal über die Bühne gehen sollte. Sogleich ist für die Freunde klar: „Wir bewerben uns mit einem eigenen Projekt!“ Gesagt, getan: Anfang 2015 starten Nicole Billi (Bild, 2.v.l.) Mohamed Boussadi, Mia Odermatt, Vania Nukleta und Sead Bayhan ihr Projekt und gründen den Verein KE’CH Collective. Das Ziel des Kollektivs, dessen Namen sich aus der Kurzform von Marrakech „Kech“ und dem CH für Schweiz zusammensetzt, ist es, eine grenzübergreifende Plattform für Kunstprojekte zu schaffen und den transkulturellen Dialog zwischen marokkanischen und Schweizer Künstler_innen zu fördern. „Die Projekte von KE’CH Collective bringen verschiedene Personen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Jede und jeder bringt ihre bzw. seine Stärken und Spezialitäten mit ins Projekt und lernt vom Gegenüber. Nur wenn zusammen gearbeitet wird, kann das ganze Potenzial ausgeschöpft werden“, erklärt Nicole. So ist im Rahmen der Gruppenausstellung „KE’CHswap 2016“ an der Biennale unter anderem das Fotoprojekt „Penpals 3.0“ der Marokkanerin Laila Hida und der Zürcherin Marie Sutter entstanden. Für zwei Monate kommunizierten die Künstlerinnen lediglich über ein gemeinsames Instagramprofil. Alle zwei Wochen erhielten sie ein Thema, das sie mit ihrer Kamera photographisch umzusetzen hatten. So waren es „nur“ Bilder und Hashtags, die die Frauen zur Verfügung hatten, um herauszufinden, wer ihr Gegenüber wohl sein könnte. Das Resultat: Ein Projekt, das die Chancen und Grenzen einer transkulturellen Interaktion bzw. eines ersten Kennenlernens via Social Media in der heutigen Zeit aufzeigen soll. Nebst dem kulturellen Austausch liegt den Kulturschaffenden von KE’CH Collective die Förderung junger marokkanischer Künstler_innen am Herzen, so Nicole. „Die jungen Marokkaner_innen sind hoch motiviert, gut gebildet und voller Ideen und Träume. Das Land ist in einer positiven Aufbruchstimmung. Wir von KE’CH Collective sind hier um Tipps und Tricks zu geben, die Möglichkeiten für junge Kreative aufzuzeigen und eine Bühne für die Entfaltung zu bieten.“ Wir finden: Weiter so, Nicole und Co.!

Gründer_innen von KE'CH Collective

Marie Sutter

Laila Hida

 

Photocredits: Nico Schärer

Baynetna

Am 1. März 2017 öffnete die erste arabische Bibliothek namens Baynetna in Berlin ihre Türen. „Wir realisierten, dass es in Berlin keine arabischen Bücherläden oder Bibliotheken gibt, obwohl in dieser Stadt eine grosse arabische Community lebt. Zudem gibt es viele Personen und Student_innen, die an arabischer Literatur interessiert sind oder diese studieren. So kamen wir auf die Idee für Baynetna“, erzählt Dana Haddad. Sie ist eine der fünf Mitgründer_innen der Bibliothek und gebürtige Jordanierin, die nach ihrer Schulzeit in Amman nach Deutschland kam, um Architektur zu studieren. Sie war es, die eine Klasse der Technischen Universität Berlin FG Fioretti dafür gewann, die Möbel für die Baynetna zu entwerfen und zu spenden. In der mit massgefertigten Möbeln ausgestatteten Bibliothek können sich Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind und ihre Lieblingsbücher zurücklassen mussten, nun arabische, englische und deutschsprachige Bücher ausleihen – ganz unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Dafür wurden Buchliebhaber_innen sowohl aus der arabischen und der europäischen Welt angefragt, der Bibliothek ihre Lieblingsbücher zu schenken – in kürzerster Zeit wurden über 1000 Bücher gespendet. Doch die Baynetna, was so viel wie „Zwischen uns“ bedeutet, ist nicht nur eine Bibliothek, sondern eine kulturelle Plattform, ein Salon, der eine Brücke zwischen arabischer und europäischer Kultur (und Literatur!) schlagen möchte. Denn in der Baynetna verkehren nicht nur arabische Menschen, sondern auch Berlinerinnen und Berliner, die durch das Gespräch mit anderen Bibliotheksbesucher_innen und dem Ausleihen arabischer Literatur die Möglichkeit bekommen, einen Einblick in eine andere Kultur zu gewinnen. Zudem werden in der Baynetna transkulturelle Events sowie Lesungen, Musik Workshops, Theateraufführungen und Diskussionen veranstaltet. „Wir sind der Überzeugung, dass die Teilnehmer_innen durch unsere Events mehr über die Traditionen und das alltägliche Leben anderer Kulturen erfahren können und lernen, Menschen nicht mehr als ‚Die Anderen‘ zu sehen, sondern das Verbindende, das Menschliche zwischen uns zu entdecken.“

Dana Haddad und Muhannad Qaiconie

Baynetna

 

Photocredits: Phillip Obkircher und Shubigi Rao

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