FILM

The Sky is the Limit

Sandra von Euw

Ob mit lauten Schreien auf der Strasse, queer durchs Leben oder mit Mama an der Seite, in diesen drei Filmen heisst es stets: „The sky is the Limit!“

 

Solidarity forever!

Pride (2014) von Matthew Warchus

Als 1984 unter Margaret Thatcher 20 Bergwerke geschlossen werden sollen und dadurch 1000 Arbeitende vor dem Nichts stehen, geht eine enorme Solidaritätswelle durch ganz England. Bis nach London gelangt der Aufruf nach Unterstützung für die Mineure und wird letztlich von einer kleinen Gruppe junger Homosexueller erhört. L.G.S.M. – "Lesbians and Gays Support the Miners" schreiben sie auf ihre Fahnen und sammeln so Tag für Tag Geld und Aufmerksamkeit. Mit gefüllten Taschen kommen sie schlussendlich bei den streikenden Bergarbeitenden an und werden gehörig vor den Kopf gestossen: Die Hilfe ist überhaupt nicht erwünscht. Mit beeindruckenden Discomoves und herzergreifenden Ansprachen wird jedoch allen schnell klar, dass sie gemeinsam um ein Vielfaches stärker und vor allem lauter sind. Zurecht erhielt dieser auf wahren Begebenheiten basierende Film 2014 die Queer Palm in Cannes.

C’est une révolte? No, c’est une révolution!

Laurence Anyways (2012) von Xavier Dolan

Laut, schrill, leuchtend. Dieser Film ist sowohl für die Augen als auch für die Ohren eine Wucht. Mit fetten Beats und eindrücklichen schauspielerischen Leistungen wird die Geschichte von Laurence und Fred erzählt. Laurence Emmanuel James Alia, gespielt von Melvil Poupaud, ist ein erfolgreicher Romanautor und Lehrer für Literaturgeschichte. Zusammen mit seiner Freundin Fred, eine beeindruckende Suzanne Clément, führt er eine glückliche Beziehung, in der alles zu stimmen und nichts zu fehlen scheint. Als Laurence sich mit Mitte Dreissig endlich dazu entschliesst, seine wahre, weibliche Identität zu leben, fürchtet er nur den Verlust von Freds Liebe. Diese entschliesst sich trotz anfänglicher Bedenken bei Laurence zu bleiben, schliesslich dürfen die Spiesser da draussen nicht gewinnen. Es sind Fragen nach dem Zusammenhang zwischen Körper und Seele, Liebe und Leidenschaft, die immer wieder zwischen den beiden diskutiert werden und auf die es immer neue Antworten zu geben scheint. Xavier Dolan erzählt diesen Film mit enormer Sinnlichkeit und exzessiven Bildern und unterstreicht ihn mit einem sensationellen Soundtrack.

I’m done being an exception!

3 Generations (2015) von Gaby Dellal

Mutter, Kind und Grossmutter plus Freundin leben im East Village in New York unter einem Haus und dies eigentlich recht harmonisch: die Single-Mama Maggie (Naomi Watts), die lesbische Grossmutter Molly (Susan Sarandon) und Ray (Elle Fanning), der eigentlich Ramona heisst und sich nach 16 Jahren als Mädchen dazu entschliesst, endlich auch nach aussen hin das zu sein, was er innerlich eigentlich bereits seit ewig ist – ein Junge. Auf diesem Weg der Transition wird jedes Familienmitglied mit der eigenen Identität konfrontiert. Vor allem die im Vorfeld nicht sonderlich begeisterte Grossmutter merkt, dass Veränderung nicht immer etwas Negatives bedeuten muss. Gerne hätte ich noch mehr von Ray und seinen Wünschen und Sichtweisen gesehen und weniger von seiner Mutter Maggie, die sich zu viele Gedanken über unwichtige Themen macht – wie zum Beispiel zu Rays wegfallender Periode. Gaby Dellal inszeniert diese mit hochkarätigen Stars besetzte Geschichte mit viel Humor, schönen Bildern und Unbeschwertheit gegenüber den doch sehr unterschiedlichen Figuren.

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