FILM

Strong Girls Forever

Sandra von Euw

Ob mit Worten, dem Gaspedal oder dem unbändigen Drang nach Freiheit, in diesen drei Filmen heisst es stets VOLLGAS VORAUS! Begleitet von unerschrockenen Regiseurinnen suchen die porträtierten Protagonistinnen nach einer besseren, weil selbstbestimmten Zukunft.

 

Sonita – Not for sale!

Sonita (2015) von Rokhsareh Ghaem Maghami

Ein braves afghanisches Mädchen sollte still sein, nicht über ihre Zukunft sprechen und stets auf die Familie hören, auch wenn dies bedeutet, einen völlig unbekannten Mann zu heiraten. Sonita Alizadeh, die 20-jährige afghanische Rapperin, akzeptierte dieses Schicksal nicht und wehrte sich lautstark dagegen. Mit unglaublich kraftvollen, weil ehrlichen Worten berichtet sie in ihren Songs der Welt von Zwangsheirat und Unterdrückung junger Mädchen wie sie eines ist. Die iranische Filmemacherin Rokhsareh Ghaem Maghami wurde auf Sonita aufmerksam und wollte ihren musikalischen Werdegang unterstützen und dokumentarisch festhalten. Geplant war anfänglich nur ein Musikvideo, Ghaem Maghami wurde sich der Dringlichkeit der Thematik aber schnell bewusst und begleitete Sonita von da an für drei Jahre mit der Kamera. 2015 erschien der Film „Sonita“, der die junge Rapperin porträtiert und eindrücklich zeigt, wie sie sich dem Vorhaben ihrer Familie zu entziehen versucht, die sie für 9000 Dollar an den Höchstbietenden verkaufen will. Dank der Unterstützung von Ghaem Maghami und der NGO Strongheart Group konnte Sonita 2015 in die USA auswandern und besucht dort die Wasatch Academy. Nach dem Abschluss will sie Jura studieren und als Menschenrechtsaktivistin nach Afghanistan zurückkehren, um gegen Zwangsheirat zu kämpfen. Endlich ist es ihr erlaubt, von ihrer Zukunft und ihren Träumen zu sprechen.

Need for speed

Speed Sisters (2015) von Amber Fares

Einsteigen, Zündschlüssel drehen und Gas! Fahrtwind im Gesicht und einfach los, Ziel noch unbekannt. Was hierzulande für viele völlig normal ist, ist in Saudiarabien für die Hälfte der Bevölkerung noch immer undenkbar: Frauen gehören nicht hinters Steuer. Sie würden dadurch öfter das Haus verlassen und die Strassen verstopfen (kein Witz!). Zum Glück ist Saudiarabien mit diesen Ansichten ganz allein auf der Welt und in immer mehr Ländern gehören Frauen nicht nur zu den besten, sondern auch zu den schnellsten Autofahrerinnen auf der Strasse, oder besser, auf der Rennstrecke! Der Film der libanesisch-kanadischen Filmemacherin Amber Fares „Speed Sisters“ zeigt am Beispiel des ersten Frauen-Rennteams der arabischen Welt deutlich auf, dass sich manikürierte Nägel und rote Lippen sehr gut mit Vollgas und Reifengequitsche vertragen. Noor Daoud, Marah Zahalqa, Maysoon Jayyusi, Mona Ennab, and Betty Saadeh sind fünf unerschrockene, mutige Frauen, die sich trotz Widerstand aus der Gesellschaft trauen, ihren Traum vom Rennen fahren zu leben!

Let no love fall victim to circumstance

Circumstance (2011) von Maryan Keshavarz

Selbstbestimmung – Ein Wort, das für Freiheit, Macht aber auch für Sehnsucht steht. Wie will ich mein Leben führen, mit wem möchte ich es teilen und vor allem, wen möchte ich lieben? Diesen Fragen nimmt sich der bereits 2011 erschienene, aber noch immer aktuelle Film „Circumstance“ von Maryan Keshavarz an. Zwei junge Frauen, mit völlig unterschiedlichem Background treffen in Teheran aufeinander und stellen schnell fest, dass sie mehr wollen, als ihnen die konservative iranische Gesellschaft erlaubt. Atafeh und Shireen beginnen zusammen eine riskante Reise durch Teherans Nachtleben und kommen sich dabei sowohl seelisch als auch körperlich nahe. Aufgrund dieses heiklen Themas war die US-amerikanisch-iranische Regisseurin gezwungen, den Film in Beirut, Libanon zu drehen, den im Iran hätte sie nicht die Freiheit gehabt „to do what we did.“ Denn Homosexualität wird in Iran noch immer mit der Todesstrafe geahndet.

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