FILM

Disneys Körper(wahn)sinn

Amina Arn

Disney: unschuldige Trickfilme,  kitschige Geschichten, die von Ehre, Stolz, Zielstrebigkeit und Glück erzählen. Doch woran werden diese Erfolge geknüpft, welche Einschränkungen gehen die Protagonistinnen dafür ein? Für einmal betrachten wir in dieser Rubrik keine aktuellen Filmprojekte, sondern widmen uns älteren Produktionen der grossen Traumfabrik und gehen der Frage nach, warum Arielle wirklich ihre Flossen verliert.

Filme, die für unseren Schwerpunkt interessante Inhalte im Bezug a Frauenbilder und Rollenbilder erzählen, sind rar. Noch rarer sind solche, die wertvolle Geschichten von Körperbildern erzählen.

Ein zwar älteres, trotzdem populäres Beispiel dafür ist „Arielle, die Meerjungfrau“. Ein Klassiker unter den Disney Zeichentrickfilmen: eine  wunderschöne Prinzessin, äussere und innere Konflikte, die die Handlung bestimmen, etwas gute Magie, etwas böse Magie, eine Hexe, ein Prinz, ein Happy End. Klassisch, ästhetisch und kitschig wird diese Liebesgeschichte erzählt, verhandelt wird sie dennoch neuartig, atypisch. So rettet die rothaarige Meerjungfrau, mehr Kind als Frau, ihren auserwählten Prinzen – und das gleich zwei Mal.  Sie emanzipiert sich von ihrem oppressiven Vater, folgt ihrem selbst gewählten Weg und kämpft für ihre Wünsche. Wie erfrischend, eine feministische Prinzessin – so scheint es.

Doch muss diese Prinzessin ihre Stimme opfern, sich von ihrer bekannten Welt loslösen und sich einer extremen körperlichen Transformation unterziehen, um den Mann ihrer Träume zu bekommen. Die vermeintliche Heldin, die feministische Prinzessin also doch irgendwie ein Opfer alter Rollenbilder?

Auch andere Disneyprinzessinnen erleiden ein ähnliches Schicksal. Mulan, die tollpatschige, androgyne, wilde, unangepasste, sture Disneyfigur, scheitert daran, ihrer Familie Ehre zu erweisen, da sie dem Bild einer klassischen, chinesischen Frau nicht gerecht werden kann. Selbstenttäuscht, jedoch nicht demotiviert, findet zwar auch sie einen Weg ihren Wünschen zu folgen und ihrem geliebten Vater Respekt und Ehre zu zollen, doch nur indem sie sich als Mann verkleidet und sich der chinesischen Armee anschliesst.

 

Beide Prinzessinnen berufen sich folglich auf das Recht frei über ihren Körper zu bestimmen, doch ist die Erfüllung ihrer Wünsche an Transformation, Identitätsverlust und in letzter Konsequenz an Identitäts-, ja Körperzerstörung gebunden. Welcher Cronenberg-Fan hätte gedacht, dass das Thema des Bodyhorrors visuell auch weniger extrem realisiert werden kann.

 

Doch die interessante Frage bleibt, wann die Disney-Filmindustrie aufhört, idealisierte Traumgeschichten zu verkaufen und damit beginnt, authentische und reelle Geschichten von Figuren zu verhandeln, mit denen sich junge Frauen identifizieren können. Denn sie sind allesamt selber Heldinnen, und sollen sich von den Vorbildern ihrer Kindheit inspirieren lassen können, um die eigenen Lebensträume schliesslich selbst zu verwirklichen.

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