ZEITGEIST

Das #fempopmovement

Cécile Moser

Frauen wie Jen Gotch von ban.do, Sophia Amoruso von Girlboss und ehemals Nastygal sowie Illustratorin Tuesday Bassen beweisen: L.A. ist mehr als gefaktes Hollywood mit operierten Brüsten. Sie stehen für das neue #fempopmovement, das Popkultur zelebriert und es jüngst auch in unsere Breitengrade geschafft hat.

 

Los Angeles: Die Stadt der Träume, der grossen Silikon-Brüste und der schönsten Frauen auf der Welt, die für eine Rolle fast alles machen würden, sprich willig sind. So wird uns Hollywood etwa in der Serie 'Californication' verkauft. Wenn man geografisch leicht abschweift, so landet man im Silicon Valley, Tüftel-Werkstätte von IT-Gurus wie einst Steve Jobs und Co. - alles in allem der perfekte Spielplatz für Männer. Dass das längst nicht alles ist, beweisen neue Power-Frauen wie Jen Gotch, die L.A. aufmischen. Sie sind unabhängig, geschäftstüchtig, kreativ und spielen jenseits von Normen und gängiger Ästhetik. Ja sie haben sich regelrecht ein eigenes populär kulturelles Universum geschaffen und damit den Markt erobert.

Sophia Amoruso:

Das unermüdliche Nasty Gal

Es war der Traum schlechthin: Sophia Amoruso – ohne Schulabschluss und mit eher unstetem Lebensstil - hat Anfang 20ig unter dem Namen „Nasty Gal“ angefangen, Vintage-Klamotten auf eBay zu verticken. Denn eines hatte sie: Ein Händchen für richtig tolle Fundstücke und Mode. Was klein anfing, wurde bald zu einem grösseren Online-Shop mit Vertrieb diverser Marken und schliesslich zu einem Multimillionen-Konzern mit über 350 Angestellten. Doch so schnell der Traum kam, zerrann er leider auch wieder. 2014 vertrat sie in ihrem Buch #Girlboss noch vehement die Meinung, sie wolle keine Investoren oder ähnliches in ihrem Unternehmen, die ihre Mission stören würden. Doch nur ein Jahr später passierte genau das und sie trat als CEO zurück. Vermutlich der Fehler, den sie nicht hätte begehen dürfen. So oder so, Ende letzten Jahres musste das Unternehmen leider Insolvenz anmelden. Doch wie es sich für ein Nasty Gal gehört, lässt sich Amoruso nicht unterkriegen und hat mit ihrem Brand Girlboss bereits das nächste, lukrative Projekt am Start. Ihr zweites Buch Nasty Galaxy sowie das soeben veranstaltete Girlboss-Rally sind die besten Beweise dafür. Und wie heisst es so schön: Wer nicht wagt, gewinnt nicht. Dennoch musste man von Amoruso jüngst leider enttäuschende Worte lesen, als sie etwa aggressiv gegen ihre Community bashte und meinte, man sollte gefälligst die Finger vom Terminus „Girlboss“ lassen, denn diesen hätte sie erfunden. Auch wenn dem so ist / wäre, zur Marke hat sie ihn erst jüngst gemacht, zuvor war es ein Wort bzw. der Titel ihres Buches, den sie teilen und verbreiten wollte. Tipp von uns: Nicht alle Girlboss-Fans bestrafen, nur weil es mit Nasty Gal nicht geklappt hat- denn das ist leider so ganz und gar nicht Girlboss mässig.

Jen Gotch:

Das kreative Fun Girl

Das 2008 ins Leben gerufene Unternehmen ban.do ist sich in einem Punkt sicher: „We are serious about fun!“ - so der Claim des Brands. Ein Blick auf die Produkte zeigt, dass dem auch so ist. Die knallig bunten Accessoires bringen Fun, Farbe und Energie in jeden Alltag und strotzen nur so vor sonniger kalifornischer Lebensfreude. Und so tut es auch ihre Gründerin, Jen Gotch. Sie ist cool, lässig, kreativ und scheint vor Ideen und guten Sprüchen nur so zu strotzen. Während die Gadgets von ban.do, wie es der Brand eben proklamiert, 'funny' daher kommen, ist es die Firma an sich längst nicht mehr. Die Power-Frau Gotch hat mittlerweile über 40 Angestellte und expandiert nach und nach, die Firma wurde kürzlich sogar vom Forbes Magazine als „Label to watch“ bezeichnet. Auch wenn die Produkte auf den ersten Blick poppig und derweil von vielen als 'oberflächlichen Kitsch' bezeichnet daherkommen, so trügt der Schein. Wer genau hinschaut, findet subtile feministische Girlpower-Botschaften, witzig verpackt: „Fries before guys“, „Think it, want it, get it!“, „Pink skies ahead“, „Good Vibes“, „I am fun“ oder „After this we're gettin Pizza“, „The Boss“ oder „You are gold, baby. Solid gold“ zieren etwa die Trinkbecher, T-Shirts oder Handyhüllen von ban.do. Ihre Tipps für alle Girls, die ihr eigenes Business starten wollen: „Spart Geld, damit ihr ein Backup habt, hört auf niemanden, der euch einreden will das wäre zu viel oder zu hart, wenn es eure Leidenschaft ist, werdet ihr es schaffen. Legt euch einen Plan zurecht, und lernt auch, mit Misserfolgen umzugehen, ohne euch unterkriegen zu lassen. Denn diese gibt es immer.“ Sounds like a plan...

Tuesday Bassen:

Die leicht verworrene Outsiderin

Die dritten in unserem #Girlboss-Bunde ist die Illustratorin Tuesday Bassen. Befreundet mit Sophia Amouroso, hat die talentierte Outsiderin auch schon diverse Arbeiten für sie gemacht, unter anderem in 'Nasty Galaxy' zu sehen. Bassen's Illustrationen sind feministisch, laut und rebellisch. Oft zeigen sie aufgeklärte Girlgangs mit Gitarren, Dolchen oder Zigaretten – Nasty Girls eben. Neben den Illustrationen designt sie auch super coole Pins, Bomber-Jacken oder Stickers. Mit Slogans wie „Ugly Girl Gang“ wehrt sie sich bewusst gegen Schönheitsideale und Körper Stereotypen. Bassen selbst kommt unkonventionell, lässig und mit leichtem Vintage-Touch daher und passt damit so schnell in keine Schublade. Für ihre Arbeiten hat Bassen bereits Preise gewonnen und zu ihren Kunden gehören The New Yorker, Playboy, Adidas oder Nike. In L.A. hat sie soeben auch den Store „Friend Mart“ eröffnet, wo ihre coolen Werke begutachtet und gekauft werden können. Wie sie selbst sagt, sind viele ihre Werke die Verarbeitung von harten Tagen damals in New York, gefüllt von Selbstzweifel und Existenzängsten. Doch genau das sei Rückblickend ihr Antrieb gewesen, und habe sie zu der Künstlerin gemacht, die sie sein wolle. Genau diese Ehrlichkeit und Authentizität macht sie zu einer starken Figur, die bereits rund um den Globus Fans hat – Instagram sei Dank.

 

 

 

Wir finden: You go Girls! Wir wünschen uns mehr Girlpower-Firmen, denn mein Unternehmen, meine Regeln. In unserer fempop Traumfabrik arbeiten coole nasty Girls, die sich unterstützen, bei denen Teamwork und Fairness oberste Priorität haben und die gemeinsam weiterkommen wollen. Denn wie sich zeigt: Die Formel hat durchaus marktwirtschaftlichen Erfolg und der ein oder andere graue alte Mann könnte wohl noch so einiges von den #heroines lernen. Und schliesslich gilt auch: Mein Geld, meine Ausgaben. Amoruso beschrieb a #Girlboss nämlich wie folgt: „A #GIRLBOSS is in charge of her own life. She gets what she wants because she works for it.“ Auch in unseren Breitengraden machen sich immer mehr Frauen erfolgreich selbständig, was etwa das Berliner Start-Up Amorelie von Lea Sophie Cramer beweist. Und es ist klar: Es gab dies auch schon immer, man denke etwa an Coco Chanel.

 

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