ZEITGEIST

Von Vielfalt und Einfalt

Cécile Moser

Unsere Gesellschaft ist so vielfältig wie die Farben des Regenbogens. Eigentlich. Nur ist diese Botschaft noch immer nicht bei allen angekommen. Es tut sich aber etwas und „the future REALLY is female, queer and freaky“, denn alles andere ist ein Auslaufmodell, das schlichtweg nicht mehr attraktiv ist.

Bereits den alten Griechen sagte man homosexuelle Beziehungen nach, viele mythologische Gestalten sind geschlechtlos und auch die Travestie war in der griechischen Antike weit verbreitet, wurden im Theater doch alle Rollen von Männern gespielt. War man damals also weiter, als wir es heute sind? Eine Frage, die sich zwangsläufig aufdrängt. Doch vermutlich geht es nicht um diese Frage, viel mehr um die Tatsache, dass diese Erscheinungen so alt sind, wie die Menschheit. Doch wenn es sich hierbei um eigentlich so gängige menschliche Praktiken hält, warum der Aufstand? Warum müssen wir 2017 noch immer für LGBT-Rechte kämpfen, worum geht es hier eigentlich? Vermutlich um des Menschen grössten Feind überhaupt: die Angst. Angst vor Andersartigem, Angst vor Fremdem und Angst vor Machtverlust. Man bewegt sich gerne in seinen bekannten Gewässern, kennt die Regeln und Rechte, um sich daran zu orientieren. Ob Gesetze oder moralisch-ethische Grundsätze, sie dienen der Gesellschaft dazu, das Zusammenleben scheinbar zu regeln und zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Dass allerdings viele von diesen Gesetzen und Grundsätzen nicht mehr zeitgemäss sind bzw. eigentlich nie waren, liegt auf der Hand. Da wären wir wieder bei den alten Griechen.

 

Basierend auf dem Christentum sowie dem Patriarchat, entstanden unsere heutigen, hiesigen westlichen Kulturen. Es sind Regeln von heute alten oder toten weissen Männern, die diese aus einem einzigen Grund aufgestellt haben: ihrer Machterhaltung. Vorstellen kann man sich das wie eine unmoralische Firma, der es nur um Geld geht. Es geht ihnen nicht um Moral, Ethik oder Menschlichkeit. Es geht ihnen um ihre Macht und ihr Ansehen, und im Endeffekt gekoppelt an unseren Kapitalismus, das Geld und ihren Wohlstand. Wo also ansetzen?

Das kann man einerseits im Bereich der Wirtschaft. Unser Glück ist es heute, dass nicht mehr nur diese über finanzielle Power und damit Macht verfügen. Auch Frauen, Gays oder Dragqueens,... die indes tagsüber ganz normalen Jobs nachgehen, sind heutige wichtige Zielgruppen und verfügen über Mittel. Ja es ist klar, wir reden hier noch immer von einer privilegierten Oberschicht, aber wir reden hier auch von systemischer Veränderung im wirtschaftlichen Bereich, und die ist nunmal da angesiedelt. Das heisst, die alten grauen Männer, die momentan oft noch an den Konzern-Spitzen sitzen, müssen sich diese neuen Zielgruppen erschliessen, sonst bleiben ihre Firmen auf der Strecke. Das erklärt etwa die schwedische Unternehmerin Sofia Falk sehr eindrücklich, die prophezeit, dass Firmen, die diese Zielgruppen nicht berücksichtigen, erfolglos werden. Und um sich diese Kreise zu erschliessen, was braucht man da? Am besten Leute aus diesen Kreisen. In einer fempop-Firma etwa wäre es Bedingung, Leute diverser Gruppierungen (Nationalität, Geschlecht, Religion, etc.) gleichermassen zu berücksichtigen, um so verschiedene Produkte oder Dienstleistungen hervorbringen zu können, die wirklich auf die Bedürfnisse der Konsument_innen und des Volkes eingehen. Da wir leider wie es aussieht, heute und morgen noch im Kapitalismus leben werden, muss es unser Anliegen sein, diesen dahingehend zu verändern, dass in der Wirtschaft mehr Vielfalt berücksichtigt wird und wir in einem Jahrzehnten hoffentlich unzählige „von der Norm abweichenden“ Personen haben, die in Führungspositionen sind.

Das andere ist der Bereich der Politik, sprich des Staates und damit auch der Religion. Es versteht sich, dass auch da angesetzt werden muss, um die Gesellschaft dahingehend zu verändern, dass Vielfalt statt Einfalt – eine Tatsache – gefragt ist und als zu verfolgendes Ideal gilt. So ist die Homo-Ehe etwa ein Anfang in diese Richtung, sowie Abtreibungsrechte für Frauen - mein Körper, meine Entscheidung! Es ist zudem wichtig zu verstehen und sich stets zu verdeutlichen, unsere Welt wurde gemacht, wie sie ist, sie ist nicht einfach so. Grundpfeiler dafür in unserem Breitengrade sind wie bereits erwähnt religiöse Konstrukte des Christentums, das Patriarchat sowie der Kapitalismus. Wie wir mit Letzterem vorgehen, haben wir bereits erläutert. Bezüglich der anderen beiden Machtkonstrukte muss deutlich werden, dass wir diese Regeln ändern können. Ihre Macht funktioniert nur solange, wie wir ihr Glauben schenken und diese als erstrebenswert erachten. Immer wieder will man uns weiss machen, dass es halt eben so sei, oder sich so gehöre. No way! Das Zeitalter der Freaks, Frauen und Queers wird kommen, ja es ist bereits angebrochen. Schliesslich leben wir eigentlich in einer vielfältigen Gesellschaft, ja eine die genauso vielfältig ist, wie ihre Anzahl an Bewohner_innen. Die Vielfalt ist real, und wird deshalb auch gewinnen. Die Norm ist immer ein Konstrukt, und ihr Anstreben eigentlich ein erbärmliches Unterfangen. Wer sich dessen bewusst ist, ist frei und legt den Grundstein für Veränderung.

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