HEROINE

Femtech Forever

Unsere #heroine Lea von Bidder

Rahel Fenini

Eigentlich wollte die Zürcherin Lea von Bidder, 27, Ärztin werden. Doch wie das Leben so spielt, kam es nicht ganz so. Heute steht Lea nicht im Kittel im sterilen Operationssaal, sondern unter Palmen und Sonne im Silicon Valley, in der IT- und High-Tech Hochburg der Welt. Dem Gesundheitsbereich ist sie dennoch treu geblieben: Vor drei Jahren gründete die #heroine mit drei weiteren Zürchern das Start-Up ava, welches das gleichnamige Zyklus- und Fertilitätstracking-Armband ins Leben rief und vermarktet. Im Interview mit fempop sprach Lea über Durchhaltevermögen, den Gender-Gap in der Start-Up-Szene und das Leben im Silicon Valley.

Wie würdest du dich unseren Leser_innen vorstellen in drei Worten vorstellen?

Ich bin neugierig, interessiert und aktiv.

 

Aktiv bist du durchaus: Mit 22 Jahren hast du mit einer Kommilitonin eine Schokoladen-Fabrik in Bangalore, Indien gegründet, mit 24 die Firma ava.

Was braucht es, um in der männerdominierten Start-Up-Welt als Frau durchzustarten?

Die Start-Up-Welt ist nicht ganz einfach: Sie ist schnelllebig und die Konkurrenz schläft nicht. Daher sind Ambitionen und eine grosse Portion Selbstvertrauen sicher am wichtigsten. Wer motiviert ist, Lust hat, ihr bzw. sein Ding durchzuziehen und ein klares Ziel vor Augen hat, kann es schaffen – egal, ob Frau oder Mann.

Es sind diese Dinge, die dich daran erinnern, immer weiter zu machen, auch wenn vieles schief läuft. Zudem bin ich davon überzeugt, dass der Erfolg einer Person auch stark von ihrem Netzwerk abhängt. Peers – unabhängig vom Geschlecht – sind super relevant, um weiterzukommen und gemeinsam Gutes kreieren zu können.

 

Wie erklärst du dir den Gender-Gap in der Start-Up-Szene? Wieso haben es Frauen schwieriger?

Fakt ist, dass es viel weniger Gründerinnen als Gründer gibt. Viele Start-Ups kommen aus dem STEM Bereich – das heisst aus den Feldern Science, Technology, Engineering und Mathematics. Diese Felder werden nach wie vor von Männern dominiert, Frauen sind eine Minderheit. Somit gibt es auch weniger Gründerinnen aus diesem Bereich. Zudem wird viel zu wenig Geld in von Frauen geführte Unternehmen investiert. Nur 1-2% der Venture-Capital Gelder in den USA – das sind Gelder, die unter Verlustrisiko zur Finanzierung eines jungen Unternehmens eingesetzt werden – gehen an Unternehmen, die Frauen an der Spitze haben.

Es ist also ein systemisches Problem, das Frauen beim Gründen hindert, und ihnen auch später weiterhin Steine in den Weg legt.

 

Was muss deiner Meinung nach getan werden, um diesem Zustand entgegenzuwirken? Welche Ideen, Visionen hast du diesbezüglich?

Das ist eine sehr schwierige und komplexe Frage. Es braucht definitiv mehr Frauen im STEM Bereich. Dafür muss sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern, stereotype Bilder und Rollenvorstellungen müssen hinterfragt und durchbrochen werden. Vorbilder sind für dieses Umdenken sicherlich essentiell: Es soll normal werden als Frau eine Gründerin zu sein, auch aus dem STEM Bereich.

Doch damit ist es nicht getan. Da dies ein vielschichtiges Problem ist, sollten sich verschiedene Akteur_innen Ziele setzen, um diesem Zustand entgegenzuwirken. Dafür braucht es Transparenz und Analytics.

 

2014 hast Du mit drei Partnern ava gegründet, ein Armband, das mit seinem Algorithmus die fruchtbaren Tage einer Frau erkennt.  Wie seid ihr auf die Idee gekommen, den weiblichen Körper ins Zentrum eures Start-Ups zu stellen?

Meine Mitgründer und ich haben alle eine eigene, persönliche Geschichte, weshalb es uns wichtig war, das „Tracken“ des weiblichen Zyklus endlich ins 21. Jahrhundert zu bringen. Mir persönlich liegt besonders die Stärkung von Frauen, das heisst „women empowerment“, am Herzen. Mit meiner Arbeit bei ava möchte ich einen Beitrag dazu leisten. Zudem hatte ich Schwierigkeiten mit meiner Verhütung und hoffe, mit ava auch dafür in Zukunft eine Lösung zu haben.

 

Heute leitest du das ava Office im Silicon Valley und bist Marketing-Chefin des gesamten Unternehmens. Welche Erfahrungen hast du in diesem – männerdominierten – Tech-Mekka gemacht?

Meine Zeit in San Francisco ist von vielen, sehr positiven Erfahrungen geprägt. Dies vor allem dank meinen weiblichen Peers. Ich empfinde es als extrem wichtig und fruchtbar, andere erfolgreiche Frauen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Ich bin also sehr gerne hier. Zudem gibt es hier auch weibliche Venture-Capitalists, die Unternehmen, welche von Frauen geführt werden, unterstützen und in diese investieren.

 

Welche Unterschiede erkennst du zur Schweiz?

Bezüglich Diversity ist San Francisco der Schweiz auf jeden Fall voran. Das soll nicht heissen, dass hier alles gut ist. Auch in San Francisco ist man noch weit davon entfernt, aber man ist bereits einen Schritt weiter. Wohl auch, weil hier das Ökosystem einfach grösser ist. Zudem machen hier viele, sehr junge, Menschen unglaublich schnell Karriere. Alter und ein grosser Erfahrungsschatz spielen also nicht so eine wichtige Rolle wie in der Schweiz. Innovation, Kreativität und „Drive“ stehen im Fokus.

 

Du hast es in dieser Welt geschafft. Das renommierte Wirtschaftsmagazin Forbes hat dich in die Liste der „30 unter 30“ im Bereich Gesundheit aufgenommen. Damit gehörst du zu den wichtigsten 30 Jungunternehmer_innen unter 30 Jahren. Was möchtest Du jungen Frauen, die ähnliche Ziele haben, auf den Weg mitgeben?

Versucht es einfach! Der Anfang ist oft am schwierigsten. Doch Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein und Ambition bringen einem ans Ziel. Zudem ist eine gesunde Selbstreflektion und Selbstwahrnehmung wichtig: Wenn man sich damit abgefunden hat, dass man jetzt Firmengründer_in ist, das deine neue Rolle und Funktion ist, dann fällt vieles auch etwas einfacher.

 

... und was ist dein persönliches Mantra?

Das Leben ist unglaublich kurz: Wir sollten ständig hinterfragen, ob wir das Richtige aus unserer Zeit machen.

 

Photocredit:

Vielen Dank an Maya & Daniele

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