HEROINE

Von Pythagoras zu Jen Gotch

unsere #heroine Tania Bisaz

Rahel Fenini

Tania Bisaz wagte Mitte 20ig den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute  ist sie stolze Besitzerin von Bits & Bobs, Boutique und Online Shop. Im Interview mit fempop spricht die Bündnerin mit englischen Wurzeln über Mut, die Wichtigkeit des Sprechens und Girlpower.

 

Es ist ein kalter Samstagnachmittag. Mit einer Tasse Kaffee mache ich es mir an einem Tisch inmitten von Kartons voller origineller Einrichtungsgegenstände und Schmuckstücke gemütlich. Vis à vis von mir sitzt Tania Bisaz, 34, Besitzerin der Boutique Bits & Bobs, wo wir uns zum Interview treffen.  Die Mutter von zwei Söhnen führt seit bald 7 Jahren das kleine Homedekor-Paradies am Zürcher Idaplatz. Aufgewachsen in den Schweizer Bergen, zieht es sie mit 21 Jahren in die Zürcher Grossstadt, um an der Kunsthochschule den Vorkurs zu absolvieren. Schnell merkt sie jedoch,  dass dies nicht der richtige Weg für sie ist. Kurzerhand schreibt sie sich fürs Mathematik-Studium an der ETH ein. Doch auch dieser Plan ist nicht für die Ewigkeit bestimmt. Nach wenigen Semestern mit Pythagoras und Co. wird Tania bewusst: „Das macht mich nicht glücklich.“ So packt sie erneut ihre Koffer, reist nach England und landet schliesslich bei ihrer quirligen Tante - einer Lebenskünstlerin und ewigen Entrepreneurin. Tania hilft mit in der Recyclingfirma der Tante und kommt so mit dem Konzept der Selbstständigkeit in Kontakt. Sie ist fasziniert von der künstlerischen und kreativen Freiheit, der Unendlichkeit der Ideen. Zurück in Zürich ist für sie klar: "Ich will selbstständig werden." Nach einem Praktikum bei einem Schweizer Start-Up, viel Eigenrecherche, einem finanziellen Zustupf und einer grossen Renovationsaktion, eröffnet sie 2010 den Bits & Bobs Shop im Zürcher Kreis 3. Seither hat sich einiges getan und Tania hat ihr Mini-Imperium mehr und mehr ausgebaut. Nebst einer persönlichen Wohnungseinrichtungsberatung für Kundinnen und Kunden und einer eigenen kleinen Papeteriekollektion gibt es heute zusätzlich einen Online-Shop, sodass Kitsch- und Deko-Liebhaber_innen direkt vom Sofa bei Bits & Bobs einkaufen können. Tania bleibt am Ball und hat noch viele neue Projekte in der Pipeline. Eine richtige #heroine eben.

 

Du führst nun seit gut 7 Jahren deine eigene Boutique. Was hast du in dieser Zeit als selbstständige Geschäftsfrau gelernt?

Die wohl wichtigste Lektion, die ich gelernt habe, ist über die eigenen Ideen zu sprechen. Sobald du deinen Traum aussprichst, beginnt er, Wirklichkeit zu werden. Wenn du deine Visionen mit anderen Menschen teilst, können sich so viele Türen öffnen. Immer wieder lernt man jemanden kennen, der jemanden kennt, der jemanden kennt (lacht). So kommt der Ball oft schneller ins Rollen, als frau zu glauben wagt.

 

Es geht also um Mut – Mut, über seine Träume zu sprechen und diese zu verfolgen?

Ja, auf jeden Fall! Die eigene Stimme zu erheben und für die eigenen Träume einzustehen, ist extrem wichtig. Das „Projekt Selbstständigkeit“ ist eine grosse Sache, die dir in gewissen Momenten Angst machen kann – weil sie dich herausfordert und an neue Grenzen bringt. Klar, ich war voller Euphorie und habe mich auf mein neues Abenteuer gefreut, als ich mich zu diesem Schritt entschieden habe. Aber ich war mir auch unsicher und habe mich oft gefragt, ob mein Plan aufgehen wird und was andere Leute wohl von mir denken werden, wenn mein Einstieg in die Selbstständigkeit nicht klappt. Mit der Zeit habe ich jedoch gelernt, diese negativen Gedanken wegzulegen und mich auf meinen Traum zu konzentrieren. Vorwärts mit Mut und Zuversicht. Heute merke ich, dass ich viel gelassener an neue Projekte herangehe und mir auch mehr zutraue. „Learning by doing“ sozusagen. Wenn du den ersten Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hast – einmal ins kalte Wasser gesprungen bist – wird dir der zweite Schritt und jeder darauffolgende nicht mehr so schwer fallen. Ich sage mir oft: „Du hast es einmal geschafft – du wirst es wieder schaffen.“

 

Das ist eine tolle Einstellung. Hast du noch weitere Tipps für angehende Unternehmerinnen?

Während meiner Anfangszeit – und auch noch heute – habe ich mir folgende fünf Mantras immer wieder zu Herzen genommen. Ich bin der Überzeugung, dass diese Leitgedanken in den unterschiedlichsten Lebenssituationen hilfreich sind:

 

Sprich darüber!

Sprich über deine Ideen und scheue dich nicht davor, mit anderen Leuten aus dem Business zu networken. So können wertvolle Communities und „support circles“ entstehen.

 

Recherchiere!

Je besser du vorbereitet bist, desto einfacher gelingt dir der Einstieg in die Selbstständigkeit.

 

Bleib dran!

Bleib am Ball. Geduld und Ausdauer zahlen sich aus. Dies ist deine Chance, dein Business.

 

Nimm dich selber nicht zu ernst!

Seriosität und Engagement sind wichtig und bringen dich weiter - Verbissenheit weniger. Bleib cool und sei grosszügig mit dir selbst. Ohne Fehler gibt es keine Entwicklung.

 

Sei selbstbewusst!

Übe dich in Selbstbewusstsein und lege deine Zweifel ab. Du bist der Boss! ...und wenn du doch einmal von Unsicherheiten geplagt wirst, denk daran: „Just fake it till you make it, girl!“ Es ist noch keine Meisterin vom Himmel gefallen.

Oh, „support circles“ – das klingt vielversprechend. Wir von fempop sind ebenfalls grosse Verfechterinnen der Girls Support Girls-Bewegung.

Ja, durch meine Arbeit im Bits & Bobs haben sich sehr kostbare Freundschaften mit unglaublich tollen Frauen entwickelt. Wir unterstützen uns gegenseitig und inspirieren uns mit kreativen Ideen. Diese Art von Frauencommunity schätze ich sehr. Zudem bin ich Mitglied der Female Entrepreneur Association – einer internationalen Onlineplattform, die den Austausch zwischen Unternehmerinnen fördert.

 

Hat dieses Community- und Girlpower-Gefühl auch dazu beigetragen, dass du – als Erste in der Schweiz – das Label ban.do, welches Girls zelebriert und von #heroine Jen Gotch gegründet wurde, in dein Sortiment aufgenommen hast?

Da gibt es sicher eine Verbindung, ja. In den vergangenen Jahren habe ich mich sehr stark und ausführlich mit der Thematik Frauen und Selbstständigkeit auseinandergesetzt. Ich habe inspirierende Bücher von und über Frauen gelesen und mich von Geschichten wie Sophia Amorusos „#Girlboss“ verzaubern lassen. So bin ich in diese Szene hinein gerutscht und habe Labels wie ban.do kennengelernt. Nebst der wunderbaren Ästhetik von diesen Produkten liegt mir ihre Message sehr am Herzen: Wir Frauen sind frei, wir haben Spass und halten uns an keine vorgeschriebenen Regeln. Das einzige Gesetz, das in unserer Welt gilt, lautet: „Stay true to yourself and support each other.“ Diese lockere und dennoch selbstbewusste Form des Feminismus, der Girlpower finde ich erfrischend und ansteckend. Davon können wir doch alle was gebrauchen, oder?

 

Und wo soll es demnächst hingehen mit Bits & Bobs?

Ich habe Lust auf Veränderung. Eigentlich ein Wunder, habe ich 7 Jahre durchgehalten! (lacht) Nach meinem ersten Baby Bits & Bobs folgten noch zwei weitere, meine beiden Jungs. Nun möchte ich wieder flexibler werden und habe mich deshalb entschlossen, das Ladenlokal in Zürich Anfang Juni zu schliessen. Damit ist es aber nicht zu Ende mit Bits & Bobs, im Gegenteil:  Ich werde den Bits & Bobs-Online-Shop weiter ausbauen, mehr eigene Produkte lancieren und meine Online-Community pflegen. Indem ich in Zukunft nicht mehr an fixe Laden-Öffnungszeiten gebunden bin, werde ich zudem mehr Zeit in neue, andere Projekte investieren können - darauf freue ich mich sehr! Es bleibt aber noch etwas Zeit bis Ladenschluss: Die Boutique ist noch bis 3. Juni 2017 geöffnet! Wir geben nochmals richtig Vollgas und haben uns noch ein paar tolle Überraschungen für unsere Kunden ausgedacht.

Alle Fotografien sind von Anette Göttlicher

info@fempop.ch