FOOD

Toast Hawaii 2.0

Nicole Giger

Toast Hawaii? Gelangweiltes Gähnen macht die Runde. Auch in der Spitzengastronomie verursacht der kultige Toast mit Ananas höchstens Stirnrunzeln. Schön zu reden gibt’s da wenig, der Schinkenkäse-Toast mit Exoten-Touch findet unter der Gourmets und Gourmands kaum Freunde. Und die Foodies dieser Welt, die Kale Chips, Miso Caramel und Unicorn zelebrieren, wissen schon gar nicht mehr was ein Toast Hawaii überhaupt sein soll. Bei Hawaii denken diese höchstens an Poké-Bowls.

Dabei ist der Toast Hawaii weit mehr als ein kulinarisches Outing mit Kindheitserinnerungen. Er symbolisiert Wirtschaftswunder und demonstriert Weltoffenheit. Sein grosses Debüt startete er in den 50er Jahren - der Krieg war vorüber, die Wirtschaft florierte. Johnny Cash, Petticoats, Rock n’Roll und Jukeboxes, Milchbars und Toast Hawaii - die Menschen sehnten sich nach Genuss und Vergnügen.

 

„Auf wenigen Quadratzentimetern Weizenbrot werden die Sehnsüchte einer ganzen Epoche gebündelt: Die verschwenderische Kombination aus Schinken und Käse demonstrierte den neu gewonnen Wohlstand, Ananas und Cocktailkirschen drückten die Sehnsucht nach der weiten Welt aus.“

Gudrun Rothaug

 

Zum Durchbruch verhalf dem Sehnsuchts-Ecken der Schauspieler und Fernsehkoch Clemens Wilmenrod, der die erste Kreation im deutschen Fernsehen in Szene setzte – und eine ganze Nation begeisterte. In der Folge stieg die Nachfrage nach Toast, Schinken, Scheiblettenkäse und Ananas auf Rekordwerte. Clemens Wilmenrod Kochshows waren ein Ereignis – von leer gefegten Strassen während seiner Sendungen ist gar die Rede. Wilmenrod war jedoch vor allem Schauspieler, ob er tatsächlich kochen konnte, sei mal dahingestellt – und die Toast Kreation ist wenig schlagkräftiges Argument Gegenteiliges zu beweisen. Gerüchten zufolge war seine Frau Erika, die hinter der Bühne fleissig mitkochte und mitbackte, für den Erfolg verantwortlich.

 

Zur Fangemeinde zählen inzwischen auch Rockstars – Fletch von den Depeche Mode war gar unerschrocken genug sein Plattenlabel Toast Hawaii zu nennen.

 

Weder möchte ich Scheiblettenkäse rehabilitieren noch eine Lanze brechen für Dosenfrüchte. Aber der Toast Hawaii verdient eine Neuinterpretation. Schon seit jeher hat er nämlich eine feministische Seite. Als die ersten Frauen in den 50er Jahren die Schinkenkäse-Toasts mit Ananas toppten, begeisterte dies die Männer scharenweise. Noch viel euphorischer waren aber die Frauen selbst. Während Frau für einen Braten mit Beilagen gut und gerne einen halben Tag in der Küche verbrachte, stand der Toast Hawaii nach wenigen Handgriffen auf dem Tisch. Die Folgen? Viel neu gewonnene Zeit, die die Frauen für ihre eigenen Bedürfnisse nutzen konnten.

Zutaten:

 

• 2 Bürli

• 200g Rohschinken

• ca. 4 Scheiben getrocknete Ananas

• 1 Ziegenkäse

• etwas Butter

• Cocktailkirschen zum Garnieren

 

 

Zubereitung:

 

Die Bürli halbieren und mit Butter bestreichen. Den Ziegenkäse in Scheiben schneiden und im Ofen oder in der Mikrowelle kurz erwärmen, so dass der Käse etwas schmilzt. In der Mikrowelle dauert das ca. 20 Sekunden, im Ofen ein paar Minuten. Den Rohschinken, den warmen Ziegenkäse und die Dörr-Ananas auf der Bürlihälfte anrichten und mit etwas Pfeffer würzen. Wer mag, serviert das ganze auf einem Salatbeet.

Ach ja, die Cocktailkirsche nicht vergessen.

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