FOOD

Essthetik

Nicole Giger

„Das Essen soll zuerst das Auge und dann den Magen erfreuen“, sagte einst Goethe. Der Feinschmecker wusste genau, was ihm gefällt. Ein exquisites Mahl muss nicht nur wohltuend schmecken, sondern auch ansprechend daher kommen. Das Auge isst mit – keine Gretchen-Frage, eine Tatsache.

Was damals galt, ist auch heute noch so. Und ob –  Blogs, Instagram, Youtube und Co. haben dem Foodporn erst recht Auftrieb verliehen und zelebrieren gutaussehende Burger, Beef und Brownies, als würde man allein vom Zusehen satt. Das mitessende Auge kann sich kaum noch retten – pinker Beetroot-Latte und grüner Avo-Toast buhlen hemmungslos um ihre/seine Gunst. Die farbenprächtigen Buddah-Bowls und bunten Rainbow Cakes reiten regelrecht auf der Welle des Erfolgs. Verwundern tut das kaum - wenn rote Granatapfelkerne mit grünen Kiwis um Aufmerksamkeit ringen und gelbe Tomaten schwarzen Venere Reis kontrastieren, freut sich nicht nur das Auge, sondern auch das Foodie Herz.

Bunte Teller machen nicht nur Freude, sondern auch Sinn. Die Farbe sagt nämlich viel über die darin enthaltenen Vitamine aus. Rotes Gemüse und rote Früchte verfügen über Lycopin und sollen vor Krebs schützen, Grünzeugs punktet mit dem Pflanzenfarbstoff Chlorophyll, der zur Reinigung des Blutes beiträgt, während in orangener Kost Carotinoide stecken, die bei Herzkrankheiten und Schlaganfall helfen sollen. Farbige Kost verspricht also eine ausgewogene Versorgung mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.

 

Etwas weniger nährstoffreich, aber genauso bunt: Marshmallows, Smarties, Gummibärchen und Co. In einer Haribotüte kommen die roten Bären am häufigsten vor. Das ist kein Zufall, sondern Wunsch des Konsumenten. Regelmässig würden Schreiben eingehen, die sich für mehr rote Gummibärchen aussprächen - weil die, laut Schleckmäuler, die Feinsten seien. In Blindtests aber gehen die weissen Bären als Sieger vom Tisch. So viel zum mitessenden Auge.

Für bunte Teller muss man uns heute kaum überzeugen, wir lieben die Farbenpracht. Die Küche des Mittelalters hatte da noch andere Gelüste zu befriedigen. Beim Adel besonders angesehen waren weisse Speisen. Äussert beliebt: „Blancmanger“, weisse Speise, eine Art Mandelsulz aus Milch, Mandeln, reichlich Zucker, Reismehl und Hühnerfleisch. In der Fastenzeit kann anstelle des Hühnchens ein Hecht im weissen Brei mitschmoren. Erst im 17. Jahrhundert entwickelte sich „Blancmanger“ zu einer Nachspeise, Huhn und Hecht verschwanden aus der Zutatenliste. Auf Sizilien und Sardinien wird das weisse Dessert heute noch hoch geschätzt - so makellos weiss kommen die Kalorien jedenfalls ganz unschuldig daher.

 

Nichts für Unschuldslämmer sind die hier: prall gefüllt, bunt schillernd, würzig gut – süssliche Bao Buns mit Chicken und Herbstgemüse. Eine Freude für bunte Vögel und alle anderen.

Rezept für Rainbowbuns

 (für vier Personen):

 

Zutaten:

• 12 TK Bao Buns (gibt’s beim Asiaten)

• ca. 500 g Chicken (vom Schenkel)

• 2 Knoblauchzehen

• 3 EL Sojasauce

• 1 EL Reisweinessig

• 2 EL Hoisinsauce (plus mehr zum Servieren)

• 2 EL Erdnussöl

• 1 EL Ahornsirup

• Handvoll Federkohl

• Handvoll Rosenkohl

• Handvoll Rotkohl

• 1 kleine rote, 1 kleine gelbe und 1 kleine pinke Rande

• Handvoll geröstete Erdnüsse

• Etwas frischer Koriander

• 1/2 Chili entkernt

 

Zubereitung:

1. Die Hähnchenschenkel mit Hoisinsauce, Sojasauce, Ahornsirup, gepressten Knoblauchzehen, Erdnussöl und Reisweinessig marinieren. In der Mitte des auf 180 Grad vorgeheizten Ofens circa 40 Minuten garen bis die Schenkel gut durch, aber noch richtig saftig sind. Je nach Grösse der Schenkel kann die Garzeit variieren. Das Fleisch mit einer Gabel auseinander zupfen.

2. Federkohl waschen, Strünke entfernen und in mundgerechten Stücken in Salzwasser circa 4 Minuten blanchieren. Abgiessen und falls nötig das Wasser noch weiter ausdrücken.

3. Das Dreierlei der Rande mit dem Gemüsehobel fein hobeln oder an der Bircherraffel bzw. in einer Küchenmaschine sehr fein raffeln.

4. Rosenkohl sowie Rotkraut ebenfalls sehr fein raffeln.

5. Das Rotkraut in 2 EL Erdnussöl circa 10 Minuten anbraten.

6. Die Buns im Bambussteamer in einem Wok oder einer grossen Bratpfanne garen. Am Besten ein Backpapier in den Bambussteamer geben, damit die Buns nicht kleben.

7. Buns mit geraffeltem Gemüse und Pulled Chicken füllen, mit Koriander und Chili garnieren und mit Hoisinsauce servieren.

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