FOOD

Wo Schmortöpfe und Gastfreundschaft das Herz erwärmen

Nicole Giger

Über Persepolis hatte ich schon einiges gelesen, vom Platz des Imams schon Bilder bestaunt und natürlich trieb mich auch eine Neugierde an, in ein Land zu reisen, von dem ich so wenig wusste – und noch dazu auf Trumps Feindesliste steht.

Aber ja, ich möchte ehrlich sein, ein weiterer und schwerwiegender Grund lag in den Kochtöpfen der persischen Mütter und Grossmütter.

Ich wusste von Quitten und Lamm im Schmortopf, hörte von Hühnchen in einer klebrigen Granatapfel-Marinade oder von honiggetränkten Süssigkeiten. Besonders ihre Vorliebe süss und salzig zu kombinieren und in pikante Schmorgerichte Früchte und Dörrfrüchte reinzupacken, liess meine Vorfreude ins Unermessliche steigen.

 

Chorescht-e fesendschan, Asch, Falude, Ghorme-Sabsi, Kashk e bademjan – so klingen sie, die iranischen Köstlichkeiten auf Farsi. Aus Angst immer nur Fleischspiesse vorgesetzt zu bekommen, habe ich mir umgehend ein kulinarisches Repertoire angeeignet und etliche Gerichte auf Farsi auswendig gelernt. Die Belohnung folgte umgehend in kalorienreichen, nahrhaften und unvergesslichen Köstlichkeiten.

Es reicht jedoch nicht, sich lediglich ein appetitliches Voci zuzulegen, man sollte sich auch für den täglichen Umgang mit den Landsleuten etwas vorbereiten. So pflegen die Iraner_innen eine beispielslose Höflichkeitsform, auch genannt Taarof. Dabei wird dir gesagt, dass du das Taxi nicht zu zahlen brauchst oder die Datteln umsonst sind. Diese Angebote werden aus Höflichkeit gemacht und sollten deshalb erst dann angenommen werden, wenn sie auch nach drei Ablehnungs-Anläufen noch immer stehen. Ähnlich verhält es sich mit Einladungen zum Essen.

Während unserer Reise haben wir davon einige erhalten und auch da gilt, erst darauf eingehen, wenn – auch nach drei Zurückweisungen - unbeirrbar daran festgehalten wird. Bei den persönlichen Einladungen war dies ausnahmslos immer der Fall. So kommt es vor, dass flüchtige Begegnungen beim Schlangestehen für frischen Granatapfelsaft in gemütlichen Tischrunden ihr glückliches Ende finden.

„Es ist schade um alle Speisen, die alleine gegessen werden“, besagt ein persisches Sprichwort. Diesem Credo bleiben die Iraner_innen treu und allzu oft findet man sich wieder –auf einem Perserteppich sitzend, umgeben von Reisgerichten, Kräuterbergen und Fleischspiessen – von Landsleuten eingeladen.

 

Apropos Fleischspiess. Wer den Spiess mal umdrehen und wenigstens im Restaurant die aufgetragenen Speisen spendieren will, kommt in Schwierigkeiten. In einem Land, in der die Rolle der Gastgeber_innen mit einer Gewissenhaftigkeit ausgeführt wird, die an die Steuermoral der Schweizer_innen erinnert, ist das kein leichtes Unterfangen.

 

Die Vorurteile gegenüber dem Iran sind zahlreich, ihre Entsprechungen in der Realität dürftig. In Erinnerung bleiben mir mit Kräutern beladene Eierspeisen, köstliche Schmortöpfe, prachtvolle Moscheen und eine Gastfreundschaft, die Seinesgleichen sucht.

 

Don’t go to Iran Video !

Rezept für Auberginen mit Joghurtsauce Iranian Style (für zwei Personen):

 

Weil der Iran nach Pistazien, Pfefferminze, Safran und Granatafpel schmeckt, habe ich für euch gleich alle in ein Gericht gepackt und mit der Aubergine – Bademjan auf Farsi – kombiniert. Für Granatapfelsirup lohnt es sich ein Türken-Laden oder ähnliches aufzusuchen, da werdet ihr fündig. Mit dem klebrig süss-säuerlichen Sirup lassen auch sich viele weitere Köstlichkeiten zaubern.

 

Zutaten:

• 2 kleine Auberginen

• 4-5 EL Sesamöl plus 2-3 EL zum Servieren

• ca. 200g griechisches Joghurt

• 1 Granatapfel

• Pfefferminze,  glatte Petersilie

• Salz, Pfeffer

• ca. 4 EL Granatapfelsirup

• 1 gute Handvoll Pistazien, geröstet

• Safran (optional)

 

Zubereitung:

1. Die Auberginen gut waschen, dann halbieren oder ganz lassen, was mehr gluschtet.

2. Aus Sesamöl, Granatapfelmelasse, Salz und Pfeffer eine Marinade machen und die Auberginenhälften oder die Aubergine damit grosszügig einstreichen.

3. Die Auberginen in der Mitte des auf 180 Grad vorgeheizten Backofen circa 30-40 Minuten backen.

4. Während die Auberginen im Ofen schmoren, die Granatapfelkerne auslösen und die frischen Kräuter waschen, trocken tupfen und fein hacken. Die Pistazien in einer Pfanne ohne Fett rösten und im Mörser etwas feiner hacken.

5. Das Joghurt mit etwas Salz und Pfeffer würzen und crèmig rühren.

6. Die gebackenen Auberginen auf dem Joghurt anrichten und grosszügig mit den gerösteten Pistazien, den Granatapfelkernen und den Kräutern bestreuen. Zum Schluss noch etwas Sesamöl über die Auberginen träufeln. Wer mag, weicht ein paar Safranfäden in ½  EL kochendem Wasser ein und mischt das dann unter das Sesamöl.

7. Reichlich frisches Fladenbrot dazu servieren. Pilaw oder Basmatireis passt ebenfalls ganz hervorragend.

 

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