EDITORIAL

 Liebe Leser_innen

Sie ist die Farbe des Jahres: Ultra Violet. Bestimmt hat das, wie jedes Jahr, Pantone – das offizielle, in Fachkreisen verbreitete Farbinstitut. Und wie immer hat diese Wahl auch ihre Gründe, beschreibt die Farbe doch aktuelle gesellschaftliche Strömungen und Tendenzen. Zum einen geht es nämlich um Querschläger wie David Bowie und Co., die diese Farbe bereits in den 70ern intensiv nutzten, um Gegenwelten zu erschaffen und sich den gängigen Normen zu widersetzen. Weiterführend wird mit der Farbe Mystik und Spiritualität assoziiert: von Meditation über Yoga zu Wahrsagerinnen. Schliesslich kommt die digitale Welt und ihre Technologien ins Spiel, symbolisiert dieses intensive Violet doch nicht selten die Zukunft und ihre Ungewissheit.

 

Diese drei Bedeutungsebenen lassen sich wunderbar mit der Geschichte der Frau sowie unserem heutigen Zeitgeist verbinden:

Schliesslich wurden Frauen, der Hysterie wegen oder weil sie mit ihren bösen Verführungskünsten Männer ins taumeln brachten, seit jeher mit der bösen Hexe, Wahrsagerin oder anderen mystischen Wesen wie Meerjungfrauen in Verbindung gebracht. Die Frau also als Gegenwelt, als das emotionale Wesen, das sich nicht rational lesen lässt, aus den Fugen gerät und vom Mann nicht mehr kontrolliert werden kann. Da hilft nur die Deklaration „verrückt“. Folge davon war etwa das Verbrennen auf einem Scheiterhaufen oder später, in Zeiten von Freud und seinen Freunden, das Verweisen in eine Anstalt, seien diese Frauen doch hysterisch und damit krank. Die Mystifizierung der Frau: so alt wie ihre Geschichte selbst.

Immer mit dabei sind Machtstrukturen eines patriarchalen Systems, um die Kontrolle – auch über das weibliche Geschlecht – zu wahren, und zu definieren, was normal und abnormal ist.

 

Doch neben Meerjungfrauen und Einhören, die als bedeutungsgeladene Icons in den letzten Jahren kaum mehr wegzudenken sind und auf Gegenwelten hindeuten, ist auch im Zuge der ganzen Digitalisierung eine spannende Diskussion im Hinblick auf die Frau ausgebrochen. Während Silicon Valley und Co. noch immer massiv von Männern dominiert werden, und Frauen sich ihren Platz hart erkämpfen müssen, so heisst es immer wieder: Die digitale Revolution ist weiblich. Schliesslich ermöglichen das Internet und Social Media es wie nie zuvor, sich über die eigenen Anliegen auszutauschen. Nicht zuletzt hat dadurch auch der Feminismus in den letzten Jahren einen derartigen Aufschwung erfahren.

 

So oder so möchten wir uns in dieser Ausgabe einmal mehr #heroines und Phänomenen widmen, die entweder in Gegenwelten agieren, in der Tech-Branche etwas zu melden haben, oder spielerisch mit Mystik und Alternativwelten umgehen. In der #heroine-Rubrik sprachen wir deshalb mit Lea von Bidder, Unternehmerin und Gründerin von ava. In unserer Musik-Rubrik bringen wir euch das Elektro-Pop-Duo Eclecta näher, die mit ihren Pailletten-Outfits definitiv in fremde Sphären entführen. Und in unserer TV-Rubrik nimmt Gastautorin Stella Castelli die neuste Staffel von Black Mirror unter die Lupe, wo Ultra Violet auf Girlpower trifft.

 

 

 

Viel Spass beim Lesen!

 

Eure fempop #heroines

 

Rahel, Serena und Cécile

 

info@fempop.ch