EDITORIAL

 Liebe Leser_innen

Er ist seit jeher bedeutungsgeladenes Faszinosum und Unort zugleich: Der Orient. Wir erinnern uns an die Geschichten von 1001 Nacht, haben uns einst für Bauchtanz begeistert, reisten nach Marokko und liessen uns von den Textilien und der Handwerkskunst ebenda für unsere eigenen vier Wände inspirieren. Eine Welt, vom Westen konstruiert, und ganz nach unserem Gusto konsumiert.

 

Historisch gesehen leitet sich der Begriff Orient vom lateinischen „oriens“ ab, was zu Deutsch 'Osten' heisst. Er wird häufig auch als Morgenland bezeichnet und steht dem Abendland, dem europäischen Bereich, gegenüber. Hier wird auch bereits der Ausgangspunkt Europa deutlich, geht doch von uns aus gesehen die Sonne im Osten auf, was ihm den Namen des Morgenlandes bescherte. Seine Bedeutung hat sich immer wieder gewandelt, ein wenig verallgemeinert kann man aber sagen, dass er sich durch eine ähnliche Kultur sowie Religion, grösstenteils den Islam, auszeichnet und über die beiden Kontinente Afrika und Asien erstreckt. Er schliesst die Länder Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten, Libyen, Türkei, Syrien, Libanon, Israel, Jordanien, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan, Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Kuwait, Quarta, Jemen und die arabische Halbinsel mit ein. Und genau da sind wir beim Orientalismus. Der Begriff wurde vom Kulturwissenschaftler Edward Said 1978 geprägt und bezeichnet den eurozentrischen, westlichen Blick auf den Nahen Osten sowie die arabische Welt.

 

In feministischen Belangen kann man sich den Orient oft nur schwer vorstellen, müssen Frauen doch verschleiert herumlaufen und liegen Gewalt und Ungerechtigkeiten scheinbar auf der Tagesordnung. Doch ist dem wirklich so, und welche feministischen Bewegungen oder Selbstbilder von Frauen gibt es in eben erwähnten Gegenden, und was sind bloss Konstrukte unsererseits? Dem möchten wir in unserer zweiten Ausgabe stückweise auf den Grund gehen. Schliesslich ist es wichtig, einen intersektionalen Feminismus zu betreiben, wie es immer so schön heisst, was so viel bedeutet, wie auch andere Ethnien, Kulturen und Religionen im Hinblick auf ihre feministischen Kämpfe und Ansichten zu berücksichtigen. Aber auch das soll bei fempop lustvoll geschehen. So haben wir uns für die #heroine Rubrik mit der deutschen Journalistin und Netz-Aktivistin Kübra Gümüsay unterhalten, die sich mit den Debatten diesbezüglich bestens auskennt. Und weil wir selber schwerstens vom Orientalismus befallen sind, nehmen wir euch in der Travel-Rubrik mit nach Marrakech und stellen euch unsere Hotspots vor. Kaum ein Ort zeigt den Clash von Moderne und Tradition, Handwerk und Digitalisierung so eindrücklich auf, wie dieser. Angereichert wird die zweite Issue von einem künstlerischen Beitrag von Sulafa Hijazi und unserer zweiten Fotostrecke „Shades of Babouches“, die dieses Mal von Anna Dettwiler geshootet wurde und das hiesige Zusammenspiel von Ost und West aufzeigen soll.

 

Viel Spass beim Lesen!

 

Eure fempop #heroines

 

Rahel, Serena und Cécile

 

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